Langzeitbeschäftigungslosigkeit: Entwicklung von 2008 bis 2018

Langzeitbeschäftigungslosigkeit: Verdreifachung während der Wirtschaftskrise

In der Vergangenheit verfolgte das AMS Österreich jahrelang das Ziel, das Risiko arbeitslos zu werden möglichst gleich zu verteilen. Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik sollten dazu beitragen, die Verfestigung von Arbeitslosigkeit zu verhindern und den Arbeitsmarkt in Bewegung zu halten. Denn lange andauernde Arbeitslosigkeit führt nicht nur zu Armut und Ausgrenzung, sondern entwertet auch die Qualifikationen und Berufserfahrungen der betroffenen Menschen. Dadurch wird langzeitbeschäftigungslosen Menschen der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt selbst bei einer besseren Wirtschaftslage erschwert.

Doch während der Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre kam es zu einem deutlichen Anstieg der Langzeitbeschäftigungslosigkeit. Waren im Jahr 2008 nur rund 34.500 Menschen langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose, so waren im Jahr 2018 bereits 105.727 Personen von lange andauernder Arbeitslosigkeit betroffen. Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Menschen hat sich damit – trotz eines kurzfristigen relativen Rückgangs – innerhalb von nur 10 Jahren mehr als verdreifacht.

2018 erleben wir in allen Bundesländern einen Rückgang von langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen. Das ist österreichweit ein sehr erfreulicher Rückgang von -11,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Den stärksten Rückgang verzeichent Tirol mit -26,3 Prozent, den geringsten Rückgang Wien mit einem Minus von -6,8 Prozent. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist zwar gering ausgeprägt, bei Frauen beträgt der Rückgang mit -10,5 Prozent allerdings um 1,5 Prozentpunkte weniger als bei Männern, wo die Langzeitbeschäftigungslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um -12 Prozent sinkt.

Immer mehr Menschen werden dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen

Trotz dieser erfreulichen Ergebnisse für das Jahr 2018, gilt es festzuhalten, dass die Zahl der lanzeitarbeitslosen Menschen in Österreich auf einem sehr hohen Niveau liegt. Kurzfristige, vor allem durch eine gute Konjunkturlage angetriebene Verbesserungen, dürfen vor strukturellen Problemen nicht hinwegtäuschen. Ein genauerer Blick zeit, dass es in den letzten Jahren tatsächlich zu einer deutlichen Verfestigung von Arbeitslosigkeit gekommen ist: War im Jahr 2008 in Österreich nur jeder sechte beim AMS vorgemerkte Arbeitslose langzeitbeschäftigungslos, so trifft dies 2018 bereits auf knapp jeden dritten Arbeitslosen zu. Damit ist ein immer größerer Teil der österreichischen Bevölkerung dauerhaft aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen. Für sie wird es mit der zunehmenden Dauer der Arbeitslosigkeit auch immer schwieriger eine neue Erwerbstätigkeit zu finden.

Vor allem Ältere, gering Qualifizierte sowie Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen betroffen

Nicht alle Menschen tragen das gleiche Risiko langzeitbeschäftigungslos zu werden. Arbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene finden in den meisten Fällen schnell wieder einen neuen Arbeitsplatz. Auch gut ausgebildete und gesunde Menschen finden in der Regel schnell wieder aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Im Gegensatz dazu sind ältere Menschen, sowie Personen mit gesundheitlichen Problemen oder mit geringer formaler Ausbildung (höchstens Pflichtschulabschluss) überdurchschnittlich oft von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen. Auf viele langzeitbeschäftigungslose Menschen treffen wohl mehrere dieser Risikofaktoren gleichzeitig zu. Sie werden es auch bei anziehender Wirtschaft schwer haben, eine stabile Beschäftigung zu finden.

Offenbar ist es der österreichischen Arbeitsmarktpolitik angesichts der seit mehreren Jahren steigender Arbeitslosigkeit und nicht analog gewachsener Budgets immer weniger gelungen, der Verfestigung von Arbeitslosigkeit entgegen zu wirken. Das über lange Zeit vom Arbeitsmarktservice formulierte Ziel „die Arbeitslosigkeit möglichst gleich zu verteilen“ rückt damit in weite Ferne.