Statistik: Arbeitslosigkeit & Langzeitbeschäftigungslosigkeit im August 2022

Das AMS veröffentlicht monatlich Daten zum Arbeitsmarkt. arbeit plus bereitet diese für einen Überblick zur Entwicklung von Arbeitslosigkeit, Schulungsteilnahme und Langzeitbeschäftigungslosigkeit auf. Die Auswertungen des AMS sind hier abrufbar, detailliertere Daten finden sich zudem in der Datenbank Arbeitsmarktdaten Online.

Arbeitslose Personen und Schulungsteilnehmer*innen

Der österreichische Arbeitsmarkt entwickelt sich seit einigen Monaten sehr positiv. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seitbeinahe 10 Jahre nicht mehr, beim AMS sind viele offene Stellen gemeldet und einige Branchen melden einen Fachkräftemangel. Das spiegelt eine sehr rasche Erholung nach den dramatischen Entwicklungen durch die Corona Krise wider: Vor nur wenig mehr als zwei Jahren, im April 2020, waren 571.477 Personen ohne Job, so viele wie nie zuvor in der Geschichte der Zweiten Republik. Es zeigen sich allerdings Unterschiede, bei welchen Personengruppen und in welchen Bereichen diese Entwicklung noch nicht oder kaum ankommt.

Im August 2022 waren 249.019 Menschen beim AMS arbeitslos gemeldet. Weitere 60.412 Personen nahmen an Schulungen teil. Damit waren im August 2022 insgesamt 309.431 Menschen offiziell ohne Erwerbsarbeit. Das sind um 87.881 Personen weniger als noch im August 2021. Damit liegt die Arbeitslosigkeit deutlich unter Vorkrisenniveau. Im August 2019, also im Vergleichsmonat vor Beginn der Corona-Pandemie, waren rund 330.700 Menschen beim AMS als arbeitssuchend gemeldet oder nahmen an Schulungen teil.

Im Vergleich zur Arbeitslosigkeit vor einem Jahr, also im August 2021, ist die Zahl der arbeitslosen oder an Schulungen teilnehmenden Personen damit um 10.9% gesunken. Die Zahl der Arbeitslosen (ohne Schulungsteilnehmer*innen) ist im Vergleich zu August 2021 um 37.258 Personen oder 13% gesunken. Die Zahl der Schulungsteilnehmer*innen ist dagegen nur um 623 Personen bzw. 1% gestiegen. Das spiegelt die Wiederaufnahme des Kursbetriebs durch das AMS und die Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen der Corona-Joboffensive wider.

Nicht alle Menschen haben das gleiche Risiko, arbeitslos zu werden. Die Daten nach soziodemographischen Merkmalen zeigen, dass insbesondere Personen mit niedriger formaler Bildung (max. Pflichtschulabschluss), Ausländer*innen oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit innerhalb dieser Personengruppen im Vergleich zum Vorjahr fällt unterdurchschnittlich aus: Im August 2022 lag er bei Menschen mit Pflichtschulabschluss etwa nur bei 9,5%. Besonders gering ist der Rückgang der Arbeitslosigkeit im August 2022 unter Jugendlichen mit nur 3,3%,

Auch regional zeigen sich Unterschiede, in welchem Ausmaß die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ankommt. In Tirol und Salzburg ist der Rückgang der beim AMS gemeldeten Personen mit -16.8% bzw. -15.7% sehr deutlich, in Wien dagegen fällt er mit 9% geringer aus. Gleichzeitig leben mit 43% beinahe die Hälfte aller beim AMS gemeldeten Personen in Wien.

Langzeitbeschäftigungslosigkeit

Mit dem Indikator der Langzeitbeschäftigungslosigkeit misst das AMS Österreich die Zahl jener Menschen, die sich in lange andauernder, verfestigter Arbeitslosigkeit befinden. Als langzeitbeschäftigungslos werden Personen bezeichnet, die beim AMS Österreich länger als 365 Tage in unterschiedlichen Arbeitsmarkt-Status vorgemerkt waren. Dafür werden unter anderem Zeiten der Arbeitslosigkeit, Lehrstellensuche oder Schulungsteilnahme zu einem Geschäftsfall zusammengefasst und dieser erst nach einer Unterbrechung von mehr als 62 Tagen beendet.

In den folgenden Grafiken ist die Entwicklung der Anzahl langzeitbeschäftigungsloser Arbeitsloser dargestellt, also jener Menschen, die als arbeitssuchend gemeldet sind und das Kriterium Langzeitbeschäftigungslosigkeit erfüllen.

Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen sinkt derzeit wieder, wenn auch langsamer als die Arbeitslosigkeit insgesamt: Im August 2022 galten in Österreich 84.934 Personen als langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose. Das sind um 43.385 Personen weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. In relativen Zahlen betrachtet ist die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen im Juni im Vergleich zum Vorjahr um 36,4% gesunken.

Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen geht seit einigen Monaten sehr deutlich zurück, ihr Anteil an allen Arbeitslosen bleibt aber hoch. Nach wie vor sind beinahe drei Mal so viele Menschen von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen als noch vor zehn Jahren.

Langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose sind von der Krise besonders getroffen

Die derzeitige Krise auf dem Arbeitsmarkt erschwert die Situation für Menschen, bei denen mehrere Vermittlungshemmnisse wie Alter, Langzeitarbeitslosigkeit oder gesundheitliche Probleme zusammentreffen zusätzlich. Deswegen braucht es während und vor allem nach der Akut-Phase der Krise gezielte Maßnahmen und Programme, um diese Gruppe wieder aufzufangen.

(Stand: 02. September 2022)