Statistik: Arbeitslosigkeit & Langzeitbeschäftigungslosigkeit im Oktober 2020

Arbeitslose Personen und Schulungsteilnehmer*innen

Die Corona Krise hat zu dramatischen Entwicklungen auf dem österreichischen Arbeitsmarkt geführt: Im April 2020 waren 571.477 Personen ohne Job, so viele wie noch nie zuvor. Ab Mitte April und über den Sommer war die Anzahl der Arbeitslosen wieder leicht rückläufig, sie lag allerdings durchgehend weit über dem Vorkrisenniveau.Im Oktober 2020 ist wieder ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat zu beobachten: 358.396 Menschen waren beim AMS arbeitslos gemeldet, weitere 65.354 nahmen an Schulungen teil. Damit waren im Oktober 2020 insgesamt 423.750 Menschen ohne Arbeit, etwa 15.000 mehr als noch im September 2020.

Im Vergleich zur Arbeitslosigkeit vor einem Jahr, also im Oktober 2019, ist die Zahl der arbeitslosen oder an Schulungen teilnehmenden Personen um 69.724 Menschen oder 19,7% gestiegen.  Im Oktober waren zudem um 639 Personen bzw. 1% weniger in Schulungen als im Vergleichszeitraum des Vorjahes. Die Zahl der Schulungsteilnehmer*innen wird weiter sinken, bis das AMS sein Förderprogramm wieder voll aufgenommen hat. Die Zahl der Arbeitslosen (ohne Schulungsteilnehmer*innen) ist im Vergleich zu Oktober 2019 um 70.363 Personen oder 24,4% gestiegen. Der Anstieg verlangsamt sich seit Mai wieder, übertrifft aber die schwierigsten Monate der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009/10 um ein Vielfaches. Wie sich die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auswirken, wird sich im kommenden Monat zeigen.

Einige Personengruppen sind von der Krise am Arbeitsmarkt stärker betroffen als andere. Die Arbeitslosigkeit stieg unter Personen mit höherer gegenüber Oktober 2019 besonders stark an (+23,2%), ausländische Staatsbürger*innen verzeichnen mit 25% einen noch höheren Anstieg der Arbeitslosigkeit als Inländer*innen (16,9%). In Bezug auf Altersgruppen war auch im Oktober 2020 der Anstieg unter Personen im Haupterwerbsalter (25 bis 49 Jahre) am deutlichsten (+22,3%), aber auch die Jugendarbeitslosigkeit steigt weiterhin deutlich an (+9% insgesamt bzw. +19% unter den Arbeitslosen ohne Schulungsteilnehmer*innen).

Langzeitbeschäftigungslosigkeit

Mit dem Indikator der Langzeitbeschäftigungslosigkeit misst das AMS Österreich die Zahl jener Menschen, die sich in lange andauernder, verfestigter Arbeitslosigkeit befinden. Als langzeitbeschäftigungslos werden Personen bezeichnet, die beim AMS Österreich länger als 365 Tage in unterschiedlichen Arbeitsmarkt-Status vorgemerkt waren. Dafür werden unter anderem Zeiten der Arbeitslosigkeit, Lehrstellensuche oder Schulungsteilnahme zu einem Geschäftsfall zusammengefasst und dieser erst nach einer Unterbrechung von mehr als 62 Tagen beendet. In den folgenden Grafiken ist die Entwicklung der Anzahl langzeitbeschäftigungsloser Arbeitsloser dargestellt, also jener Menschen, die als arbeitssuchend gemeldet sind und das Kriterium Langzeitbeschäftigungslosigkeit erfüllen.

Im Oktober galten in Österreich 122.500 Personen als langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose, so viele wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Das sind 28.777 Personen mehr als im Oktober des Vorjahres. Einen vergleichbar hohen Anstieg gab es zuletzt im November 2015. In der angespannten Arbeitsmarktsituation sind kaum Arbeitsaufnahmen möglich. Das führt dazu, dass benachteiligte Menschen es noch schwerer haben, einen Job zu finden. Das WIFO prognostiziert einen weiteren Anstieg der Langzeitbeschäftigungslosigkeit in den kommenden Monaten. Nach wie vor sind mehr als drei Mal so viele Menschen von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen als noch vor zehn Jahren, und steigt nunmehr wieder stärker an als die Arbeitslosigkeit insgesamt.

In relativen Zahlen betrachtet ist die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 30,7 Prozent gestiegen. Der Anstieg fällt für Frauen mit einem Plus von 34 Prozent sehr nochmals deutlicher aus als für Männer (+28,2%).

Langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose sind von der Krise besonders getroffen

Die derzeitige Krise auf dem Arbeitsmarkt erschwert die Situation für Menschen, bei denen mehrere Vermittlungshemmnisse wie Alter, Langzeitarbeitslosigkeit oder gesundheitliche Probleme zusammentreffen zusätzlich. Deswegen braucht es während und vor allem nach der Akut-Phase der Krise gezielte Maßnahmen und Programme, um diese Gruppe wieder aufzufangen.

(Stand: 02. November 2020)