Statistik: Arbeitslosigkeit & Langzeitbeschäftigungslosigkeit im Juni 2022

Das AMS veröffentlicht monatlich Daten zum Arbeitsmarkt. arbeit plus bereitet diese für einen Überblick zur Entwicklung von Arbeitslosigkeit, Schulungsteilnahme und Langzeitbeschäftigungslosigkeit auf. Die Auswertungen des AMS sind hier abrufbar, detailliertere Daten finden sich zudem in der Datenbank Arbeitsmarktdaten Online.

Arbeitslose Personen und Schulungsteilnehmer*innen

Der österreichische Arbeitsmarkt entwickelt sich seit einigen Monaten sehr positiv. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seitbeinahe 10 Jahre nicht mehr, beim AMS sind viele offene Stellen gemeldet und einige Branchen melden einen Fachkräftemangel. Das spiegelt eine sehr rasche Erholung nach den dramatischen Entwicklungen durch die Corona Krise wider: Vor nur wenig mehr als zwei Jahren, im April 2020, waren 571.477 Personen ohne Job, so viele wie nie zuvor in der Geschichte der Zweiten Republik. Es zeigen sich allerdings Unterschiede, bei welchen Personengruppen und in welchen Bereichen diese Entwicklung noch nicht oder kaum ankommt.

Im Juni 2022 waren 228.908 Menschen beim AMS arbeitslos gemeldet. Weitere 69.494 Personen nahmen an Schulungen teil. Damit waren im Juni 2022 insgesamt 298.402 Menschen offiziell ohne Erwerbsarbeit. Das sind um 61.747 Personen weniger als noch im Juni 2021. Damit liegt die Arbeitslosigkeit deutlich unter Vorkrisenniveau. Im Juni 2019, also im Vergleichsmonat vor Beginn der Corona-Pandemie, waren rund 324.200 Menschen beim AMS als arbeitssuchend gemeldet oder nahmen an Schulungen teil.

Im Vergleich zur Arbeitslosigkeit vor einem Jahr, also im Juni 2021, ist die Zahl der arbeitslosen oder an Schulungen teilnehmenden Personen damit um 17,1% gesunken. Die Zahl der Arbeitslosen (ohne Schulungsteilnehmer*innen) ist im Vergleich zu Juni 2021 um 59.954 Personen oder 20,8% gesunken. Die Zahl der Schulungsteilnehmer*innen ist dagegen nur um 1.793 Personen bzw. 2,5% gestiegen. Das spiegelt die Wiederaufnahme des Kursbetriebs durch das AMS und die Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen der Corona-Joboffensive wider.

Nicht alle Menschen haben das gleiche Risiko, arbeitslos zu werden. Die Daten nach soziodemographischen Merkmalen zeigen, dass insbesondere Personen mit niedriger formaler Bildung (max. Pflichtschulabschluss), Ausländer*innen oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit innerhalb dieser Personengruppen im Vergleich zum Vorjahr fällt unterdurchschnittlich aus: Im Juni 2022 lag er bei Menschen mit Behinderungen etwa nur bei 14,6%.

Auch regional zeigen sich Unterschiede, in welchem Ausmaß die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ankommt. In Tirol und Salzburg ist der Rückgang der beim AMS gemeldeten Personen mit -27,5% bzw. -26,2% sehr deutlich, in Wien dagegen fällt er mit 13,7% geringer aus. Gleichzeitig leben mit 44,4% beinahe die Hälfte aller beim AMS gemeldeten Personen in Wien.

Langzeitbeschäftigungslosigkeit

Mit dem Indikator der Langzeitbeschäftigungslosigkeit misst das AMS Österreich die Zahl jener Menschen, die sich in lange andauernder, verfestigter Arbeitslosigkeit befinden. Als langzeitbeschäftigungslos werden Personen bezeichnet, die beim AMS Österreich länger als 365 Tage in unterschiedlichen Arbeitsmarkt-Status vorgemerkt waren. Dafür werden unter anderem Zeiten der Arbeitslosigkeit, Lehrstellensuche oder Schulungsteilnahme zu einem Geschäftsfall zusammengefasst und dieser erst nach einer Unterbrechung von mehr als 62 Tagen beendet.

In den folgenden Grafiken ist die Entwicklung der Anzahl langzeitbeschäftigungsloser Arbeitsloser dargestellt, also jener Menschen, die als arbeitssuchend gemeldet sind und das Kriterium Langzeitbeschäftigungslosigkeit erfüllen.

Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen sinkt derzeit wieder leicht, wenn auch deutlich langsamer als die Arbeitslosigkeit insgesamt: Im Juni 2022 galten in Österreich 87.888 Personen als langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose. Das sind um 50.389 Personen weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. In relativen Zahlen betrachtet ist die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen im Juni im Vergleich zum Vorjahr um 36,4% gesunken.

Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen geht seit einigen Monaten sehr deutlich zurück, ihr Anteil an allen Arbeitslosen bleibt aber hoch. Nach wie vor sind beinahe drei Mal so viele Menschen von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen als noch vor zehn Jahren.

Langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose sind von der Krise besonders getroffen

Die derzeitige Krise auf dem Arbeitsmarkt erschwert die Situation für Menschen, bei denen mehrere Vermittlungshemmnisse wie Alter, Langzeitarbeitslosigkeit oder gesundheitliche Probleme zusammentreffen zusätzlich. Deswegen braucht es während und vor allem nach der Akut-Phase der Krise gezielte Maßnahmen und Programme, um diese Gruppe wieder aufzufangen.

(Stand: 13. Juli 2022)