Statistik: Arbeitslosigkeit & Langzeitbeschäftigungslosigkeit im Dezember 2020

Arbeitslose Personen und Schulungsteilnehmer*innen

Die Corona Krise hat zu dramatischen Entwicklungen auf dem österreichischen Arbeitsmarkt geführt: Im April 2020 waren 571.477 Personen ohne Job, so viele wie noch nie zuvor. Ab Mitte April und über den Sommer war die Anzahl der Arbeitslosen wieder leicht rückläufig, sie lag allerdings durchgehend weit über dem Vorkrisenniveau. Seit Herbst ist ein erneuter deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit zu beobachten. Im Dezember 2020 waren 459.682 Menschen beim AMS arbeitslos gemeldet, weitere 61.237 nahmen an Schulungen teil. Damit waren im Dezember 2020 insgesamt 520.919 Menschen ohne Arbeit, um rund 113.000 mehr als im Dezember 2019 und beinahe so viele wie im April 2020.

Im Vergleich zur Arbeitslosigkeit vor einem Jahr, also im Dezember 2019, ist die Zahl der arbeitslosen oder an Schulungen teilnehmenden Personen damit um 27,7% gestiegen. Die Zahl der Arbeitslosen (ohne Schulungsteilnehmer*innen) ist im Vergleich zu Dezember 2019 um 109.887 Personen oder 30,5% gestiegen. Dieser Anstieg fällt wieder sehr viel deutlicher aus als in den Vormonaten und ist auf die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ebenso wie auf die Saisonarbeitslosigkeit zurückzuführen.

Einige Personengruppen sind von der Krise am Arbeitsmarkt stärker betroffen als andere. Die Arbeitslosigkeit stieg unter Personen mit Lehrabschluss gegenüber Dezember 2019 besonders stark an (+29,2%), ausländische Staatsbürger*innen verzeichnen mit 33,2% einen noch höheren Anstieg der Arbeitslosigkeit als Inländer*innen (24,8%). In Bezug auf Altersgruppen war auch im Dezember 2020 der Anstieg unter Personen im Haupterwerbsalter (25 bis 49 Jahre) am deutlichsten (+30,2%), aber auch die Jugendarbeitslosigkeit steigt weiterhin deutlich an (+16,4% insgesamt bzw. +26,5% unter den Arbeitslosen ohne Schulungsteilnehmer*innen).

Langzeitbeschäftigungslosigkeit

Mit dem Indikator der Langzeitbeschäftigungslosigkeit misst das AMS Österreich die Zahl jener Menschen, die sich in lange andauernder, verfestigter Arbeitslosigkeit befinden. Als langzeitbeschäftigungslos werden Personen bezeichnet, die beim AMS Österreich länger als 365 Tage in unterschiedlichen Arbeitsmarkt-Status vorgemerkt waren. Dafür werden unter anderem Zeiten der Arbeitslosigkeit, Lehrstellensuche oder Schulungsteilnahme zu einem Geschäftsfall zusammengefasst und dieser erst nach einer Unterbrechung von mehr als 62 Tagen beendet. In den folgenden Grafiken ist die Entwicklung der Anzahl langzeitbeschäftigungsloser Arbeitsloser dargestellt, also jener Menschen, die als arbeitssuchend gemeldet sind und das Kriterium Langzeitbeschäftigungslosigkeit erfüllen.

Im Dezember 2020 galten in Österreich 136.3620 Personen als langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose. Das sind um rund 37.000 Personen mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Damit ist ein historischer Höchststand sowohl in Hinblick auf den Anstieg als auch auf die absoluten Zahlen erreicht. In der angespannten Arbeitsmarktsituation sind kaum Arbeitsaufnahmen möglich. Das führt dazu, dass benachteiligte Menschen es noch schwerer haben, einen Job zu finden. Das WIFO prognostiziert einen weiteren Anstieg der Langzeitbeschäftigungslosigkeit in den kommenden Monaten. Nach wie vor sind mehr als drei Mal so viele Menschen von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen als noch vor zehn Jahren, und steigt nunmehr wieder stärker an als die Arbeitslosigkeit insgesamt.

In relativen Zahlen betrachtet ist die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen im Dezember 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 37,3 Prozent gestiegen. Der Anstieg fällt für Frauen mit einem Plus von 40,2 Prozent  nochmals sehr viel deutlicher aus als für Männer (+35,1%).

Langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose sind von der Krise besonders getroffen

Die derzeitige Krise auf dem Arbeitsmarkt erschwert die Situation für Menschen, bei denen mehrere Vermittlungshemmnisse wie Alter, Langzeitarbeitslosigkeit oder gesundheitliche Probleme zusammentreffen zusätzlich. Deswegen braucht es während und vor allem nach der Akut-Phase der Krise gezielte Maßnahmen und Programme, um diese Gruppe wieder aufzufangen.

(Stand: 07. Jänner 2021)