Statistik: Arbeitslosigkeit & Langzeitbeschäftigungslosigkeit im August 2020

Arbeitslose Personen und Schulungsteilnehmer*innen

Die Corona Krise hat zu dramatischen Entwicklungen auf dem österreichischen Arbeitsmarkt geführt: Im April 2020 waren 571.477 Personen ohne Job, so viele wie noch nie zuvor. Seit Mitte April ist die Anzahl der Arbeitslosen wieder leicht rückläufig, liegt allerdings nach wie vor weit über dem Vorkrisenniveau. Im August 2020 waren 371.893 Menschen beim AMS arbeitslos gemeldet, weitere 51.017 Personen nahmen an Schulungen teil. Insgesamt waren also 422.910 Menschen im August 2020 ohne Arbeit.

In Summe ist die Zahl der arbeitslosen oder an Schulungen teilnehmenden Personen damit um 92.219 Menschen oder 27,9% im Vergleich zum August des Vorjahres gestiegen. Die Zahl der Schulungsteilnehmer*innen ist im Vergleich zum Vorjahr um 1% bzw. 503 Personen leicht gesunken.  Die Zahl der Schulungsteilnehmer*innen wird weiter sinken, bis das AMS sein Förderprogramm wieder voll aufgenommen hat. Die Zahl der Arbeitslosen (ohne Schulungsteilnehmer*innen) ist im Vergleich zu August 2019 um 92.722 Personen oder 33,2% gestiegen. Der Anstieg verlangsamt sich seit Mai wieder, übertrifft aber die schwierigsten Monate der Krise 2009/10 um ein Vielfaches.

Einige Personengruppen sind von der Krise am Arbeitsmarkt stärker betroffen als andere. Die Arbeitslosigkeit stieg unter Personen, die maximal eine Pflichtschule absolviert haben, gegenüber August 2019 besonders stark an (+87,8%), ausländische Staatsbürger*innen verzeichnen mit 36% einen noch höheren Anstieg der Arbeitslosigkeit als Inländer*innen (24%). In Bezug auf Altersgruppen war auch im August 2020 der Anstieg unter Personen im Haupterwerbsalter (25 bis 49 Jahre) am deutlichsten (+31,4%).

Langzeitbeschäftigungslosigkeit

Mit dem Indikator der Langzeitbeschäftigungslosigkeit misst das AMS Österreich die Zahl jener Menschen, die sich in lange andauernder, verfestigter Arbeitslosigkeit befinden. Als langzeitbeschäftigungslos werden Personen bezeichnet, die beim AMS Österreich länger als 365 Tage in unterschiedlichen Arbeitsmarkt-Status vorgemerkt waren. Dafür werden unter anderem Zeiten der Arbeitslosigkeit, Lehrstellensuche oder Schulungsteilnahme zu einem Geschäftsfall zusammengefasst und dieser erst nach einer Unterbrechung von mehr als 62 Tagen beendet. In den folgenden Grafiken ist die Entwicklung der Anzahl langzeitbeschäftigungsloser Arbeitsloser dargestellt, also jener Menschen, die als arbeitssuchend gemeldet sind und das Kriterium Langzeitbeschäftigungslosigkeit erfüllen.

Im August galten in Österreich 121.076 Personen als langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose, so viele wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Das sind 24.090 Personen mehr als im August des Vorjahres. Einen vergleichbar hohen Anstieg gab es zuletzt im November 2015. In der angespannten Arbeitsmarktsituation sind kaum Arbeitsaufnahmen möglich. Das führt dazu, dass benachteiligte Menschen es noch schwerer haben, einen Job zu finden. Das WIFO prognostiziert einen weiteren Anstieg der Langzeitbeschäftigungslosigkeit in den kommenden Monaten. Nach wie vor sind mehr als drei Mal so viele Menschen von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen als noch vor zehn Jahren, Tendenz nunmehr wieder stark steigend.

In relativen Zahlen betrachtet ist die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen im August 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 24,8 Prozent gestiegen. Der Anstieg fällt für Frauen mit einem Plus von 27 Prozent sehr viel deutlicher aus als für Männer (+23,1%).

Langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose sind von der Krise besonders getroffen

Die derzeitige Krise auf dem Arbeitsmarkt erschwert die Situation für Menschen, bei denen mehrere Vermittlungshemmnisse wie Alter, Langzeitarbeitslosigkeit oder gesundheitliche Probleme zusammentreffen zusätzlich. Deswegen braucht es während und vor allem nach der Akut-Phase der Krise gezielte Maßnahmen und Programme, um diese Gruppe wieder aufzufangen.

(Stand: 01. September 2020)