Statistik: Arbeitslosigkeit & Langzeitbeschäftigungslosigkeit im Juni 2020

Arbeitslose Personen und Schulungsteilnehmer*innen

Die Corona Krise führt zu dramatischen Entwicklungen auf dem österreichischen Arbeitsmarkt. Bereits der März 2020 brachte mit mehr als einer halben Million Arbeitslosen einen historischen Höchststand. Dieser Trend setzte sich im April noch weiter fort. Im April waren insgesamt 571.477 Personen arbeitslos oder in Schulungen. Seit Mitte April ist die Anzahl der Arbeitslosen wieder leicht rückläufig. Im Juni 2020 waren 414.766 Menschen beim AMS arbeitslos gemeldet, weitere 48.739 Personen nahmen an Schulungen teil. Insgesamt waren also 463.505 Menschen im Juni 2020 ohne Arbeit.

In Summe ist die Zahl der arbeitslosen oder an Schulungen teilnehmenden Personen damit um 139.302 Menschen oder 43% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Zahl der Schulungsteilnehmer*innen ist im Vergleich zum Vorjahr um 18,3% bzw. 10.944 Personen deutlich gesunken.  Die Zahl der Schulungsteilnehmer*innen wird weiter sinken, bis das AMS sein Förderprogramm wieder voll aufgenommen hat. Die Zahl der Arbeitslosen (ohne Schulungsteilnehmer*innen) ist im Vergleich zu Juni 2019 um 150.247 Personen oder 56,8% gestiegen. Dieser Anstieg ist bereits etwas geringer als noch im April und Mai, übertrifft aber die schwierigsten Monate der Krise 2009/10 um ein Vielfaches.

Einige Personengruppen sind von der Krise am Arbeitsmarkt stärker betroffen als andere. Die Arbeitslosigkeit stieg unter Personen mit Lehrausbildung auch im Juni gegenüber dem Vorjahr besonders stark an (+47,9%), ausländische Staatsbürger*innen verzeichnen mit 50,9% einen noch höheren Anstieg der Arbeitslosigkeit als Inländer*innen (39%). In Bezug auf Altersgruppen war auch im Juni 2020 der Anstieg unter Personen im Haupterwerbsalter (25 bis 49 Jahre) am deutlichsten (+48,3%).

Langzeitbeschäftigungslosigkeit

Mit dem Indikator der Langzeitbeschäftigungslosigkeit misst das AMS Österreich die Zahl jener Menschen, die sich in lange andauernder, verfestigter Arbeitslosigkeit befinden. Als langzeitbeschäftigungslos werden Personen bezeichnet, die beim AMS Österreich länger als 365 Tage in unterschiedlichen Arbeitsmarkt-Status vorgemerkt waren. Dafür werden unter anderem Zeiten der Arbeitslosigkeit, Lehrstellensuche oder Schulungsteilnahme zu einem Geschäftsfall zusammengefasst und dieser erst nach einer Unterbrechung von mehr als 62 Tagen beendet. In den folgenden Grafiken ist die Entwicklung der Anzahl langzeitbeschäftigungsloser Arbeitsloser dargestellt, also jener Menschen, die als arbeitssuchend gemeldet sind und das Kriterium Langzeitbeschäftigungslosigkeit erfüllen.

Im Juni 2020 galten in Österreich 119.112 Personen als langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose. Das sind 21.028 Personen mehr als im Juni des Vorjahres. In der angespannten Arbeitsmarktsituation sind kaum Arbeitsaufnahmen möglich. Das führt dazu, dass benachteiligte Menschen es noch schwerer haben, einen Job zu finden. Das WIFO prognostiziert einen weiteren Anstieg der Langzeitbeschäftigungslosigkeit in den kommenden Monaten. Nach wie vor sind mehr als drei Mal so viele Menschen von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen als noch vor zehn Jahren, Tendenz nunmehr wieder stark steigend.

In relativen Zahlen betrachtet ist die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen im Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 21,4 Prozent gestiegen. Der Anstieg fällt für Frauen mit einem Plus von mehr als 24,9 Prozent sehr viel deutlicher aus als für Männer (+18,8%).

Langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose sind von der Krise besonders getroffen

Die derzeitige Krise auf dem Arbeitsmarkt erschwert die Situation für Menschen, bei denen mehrere Vermittlungshemmnisse wie Alter, Langzeitarbeitslosigkeit oder gesundheitliche Probleme zusammentreffen zusätzlich. Deswegen braucht es während und vor allem nach der Akut-Phase der Krise gezielte Maßnahmen und Programme, um diese Gruppe wieder aufzufangen.

(Stand: 02. Juni 2020)