Statistik: Arbeitslosigkeit & Langzeitbeschäftigungslosigkeit im Dezember 2022

Das AMS veröffentlicht monatlich Daten zum Arbeitsmarkt. arbeit plus bereitet diese für einen Überblick zur Entwicklung von Arbeitslosigkeit, Schulungsteilnahme und Langzeitbeschäftigungslosigkeit auf. Die Auswertungen des AMS sind hier abrufbar, detailliertere Daten finden sich zudem in der Datenbank Arbeitsmarktdaten Online.

Arbeitslose Personen und Schulungsteilnehmer*innen

Der österreichische Arbeitsmarkt hat sich über das ganze Jahr 2022 – den Krisen zum Trotz – positiv entwickelt. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seitbeinahe 10 Jahre nicht mehr, beim AMS sind viele offene Stellen gemeldet und einige Branchen melden einen Fachkräftemangel. Das spiegelt eine sehr rasche Erholung nach den dramatischen Entwicklungen durch die Corona Krise wider: Vor nur zweieinhalb Jahren, im April 2020, waren 571.477 Personen ohne Job, so viele wie nie zuvor in der Geschichte der Zweiten Republik. Es zeigen sich allerdings Unterschiede, bei welchen Personengruppen und in welchen Bereichen diese Entwicklung noch nicht oder kaum ankommt.

Im Dezember 2022 waren 309.653 Menschen beim AMS arbeitslos gemeldet. Weitere 65.218 Personen nahmen an Schulungen teil. Damit waren im Dezember 2022 insgesamt 374.871 Menschen offiziell ohne Erwerbsarbeit. Das sind um 27.507 Personen weniger als noch im Dezember 2021. Damit liegt die Arbeitslosigkeit deutlich unter Vorkrisenniveau. Im Dezember 2019, also im Vergleichsmonat vor Beginn der Corona-Pandemie, waren rund 407.900 Menschen beim AMS als arbeitssuchend gemeldet oder nahmen an Schulungen teil. Angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, der damit einhergehende Energiekrise und der hohen Inflation ist allerdings in den nächsten Monaten ein wirtschaftlicher Einbruch mit entsprechenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zu erwarten.

Im Vergleich zur Arbeitslosigkeit vor einem Jahr, also im Dezember 2021, ist die Zahl der arbeitslosen oder an Schulungen teilnehmenden Personen damit um 6,8% gesunken.

Nicht alle Menschen haben das gleiche Risiko, arbeitslos zu werden. Die Daten nach soziodemographischen Merkmalen zeigen, dass insbesondere Personen mit niedriger formaler Bildung (max. Pflichtschulabschluss), Ausländer*innen oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit innerhalb dieser Personengruppen im Vergleich zum Vorjahr fällt unterdurchschnittlich aus: Besonders gering ist der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Dezember 2022 unter Jugendlichen mit nur -1,5%. Ein sehr deutlicher Rückgang zeigt sich dagegen bei älteren Arbeitnehmer*innen. Die Corona-Sonderprogramme haben gerade für diese Gruppe positive Auswirkungen.

Auch regional zeigen sich Unterschiede, in welchem Ausmaß die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ankommt. In Tirol ist der Rückgang der beim AMS gemeldeten Personen mit -11% sehr deutlich, in Wien fällt er geringer aus. Gleichzeitig sind mit rund 148.000 Personen mehr als ein Drittel aller Arbeitssuchenden und Schulungsteilnehmer*innen in Wien gemeldet.

Langzeitbeschäftigungslosigkeit

Mit dem Indikator der Langzeitbeschäftigungslosigkeit misst das AMS Österreich die Zahl jener Menschen, die sich in lange andauernder, verfestigter Arbeitslosigkeit befinden. Als langzeitbeschäftigungslos werden Personen bezeichnet, die beim AMS Österreich länger als 365 Tage in unterschiedlichen Arbeitsmarkt-Status vorgemerkt waren. Dafür werden unter anderem Zeiten der Arbeitslosigkeit, Lehrstellensuche oder Schulungsteilnahme zu einem Geschäftsfall zusammengefasst und dieser erst nach einer Unterbrechung von mehr als 62 Tagen beendet.

In den folgenden Grafiken ist die Entwicklung der Anzahl langzeitbeschäftigungsloser Arbeitsloser dargestellt, also jener Menschen, die als arbeitssuchend gemeldet sind und das Kriterium Langzeitbeschäftigungslosigkeit erfüllen.

Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen sinkt seit einiger Zeit deutlich, wenn auch langsamer als die Arbeitslosigkeit insgesamt: Im Dezember 2022 galten in Österreich 80.418 Personen als langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose – das sind so wenige wie seit Frühjahr 2014 nicht mehr und um 35.325 Personen weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. In relativen Zahlen betrachtet ist die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 30,5% gesunken.

Obwohl die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen sinkt, bleibt der Anteil von Langzeitbeschäftigungslosen an allen Arbeitslosen hoch. Nach wie vor sind beinahe doppelt so viele Menschen von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen als noch vor zehn Jahren.

 

(Stand: 09. Jänner 2023)