Über Arbeit, Armut und Diskriminierung am Arbeitsmarkt

„Es ist wichtig, die Lebensrealitäten der Menschen – besonders jene von Frauen – im Blick zu haben,“ so Manuela Vollmann, Arbeitsmarktexpertin und Vorstandsvorsitzende von arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich zur heutigen Diskussionseinladung von Bundeskanzler Karl Nehammer.

Das Bundeskanzleramt lädt heute Vertreter:innen der Zivilgesellschaft ein, Lösungen zu den Themen Armut, Arbeitsmarkt, Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu diskutieren. Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich ist unter den Teilnehmer:innen, um die Themen Armut, Einkommen und die Perspektive von Frauen am Arbeitsmarkt einzubringen.

  • Erwerbsarbeitslosigkeit ist die Armutsfalle Nummer 1. 42% der Menschen, die seit einem Jahr oder länger arbeitslos sind, gelten als armutsgefährdet. Auf Frauen trifft das umso mehr zu, besonders für Einpersonenhaushalte ist die Situation schwierig: 32% der Alleinerzieherinnen galten 2022 als armutsgefährdet.
  • Viele Menschen können sich den Lebensunterhalt nicht mehr leisten, obwohl sie arbeiten. Arbeit ist in unserer Gesellschaft zwar die beste Chance, um Armut zu entkommen, aber viele Menschen sind trotz Erwerbstätigkeit von Armut oder Ausgrenzung bedroht und können sich trotz Vollzeitarbeit das Leben kaum leisten. Diese Personen nennt man „Working Poor“: Menschen, die trotz Erwerbstätigkeit von Armut bedroht sind.
  • Frauen sind am Arbeitsmarkt besonders benachteiligt. Sie verdienen trotz höherer Bildung um 18,8% weniger als ihre männlichen Kollegen, sie arbeiten häufiger in Teilzeit und sind seltener in Führungspositionen. Dieser Trend setzt sich bis zur Pension fort: Frauenpensionen sind aufgrund von Karenzzeiten und Teilzeitarbeit sogar um 41,06% niedriger als Männerpensionen.

Aktuell laufen Budgetverhandlungen – auch für die Arbeitsmarktpolitik. Diese müssen als Chance genutzt werden, um gezielt in Arbeitsmarktpolitik und ressortübergreifende frauenfördernde und Armut verhindernde Programme und Initiativen zu investieren. Nur so lässt sich langfristig die eindeutige Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz verringern. Dazu braucht es ausreichende Finanzierung und Rahmenbedingungen wie eine flächendeckende und ganztägige Kinderbetreuung – damit Frauen am Land überhaupt einer Erwerbsarbeit nachgehen können.