Urlaub plus

Jugendgästehaus Ulrichsberg

Die Ferien stehen vor der Tür und längst schon sind es nicht mehr die Kreuzfahrt auf dem Traumschiff, Flugreisen in möglichst entfernte Winkel der Erde oder unzählige Stunden im Stau in brütend heißen Autos, die die Herzen der Erholungssuchenden höher schlagen lassen. Im Trend liegt vielmehr nachhaltiger Tourismus, der sozial, ökologisch und wirtschaftlich langfristig tragbar ist und der Erholung und Inspiration für die Reisenden mit positiven Impulsen für die „Bereisten“ vereint.

Im UN Internationalen Jahr für nachhaltigen Tourismus 2017 wurden folgende 5 Schlüsselbereiche festgelegt, die Tourismus zum Katalysator positiver Veränderungen machen können: 1. umfassendes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, 2. soziale Einbeziehung, Beschäftigung und Armutsminderung, 3. Ressourceneffizienz, Umweltschutz und Klimawandel, 4. kulturelle Werte, Vielfalt und kulturelles Erbe, 5. gegenseitiges Verständnis, Frieden und Sicherheit.

Diese Schwerpunktsetzungen klingen „verdächtig“ nach jenen Werten, denen sich auch die Sozialen Unternehmen im Netzwerk von arbeit plus verpflichtet fühlen. Soziale Unternehmen unterstützen Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sind, durch Beschäftigung, Beratung und Qualifizierung bei ihrem (Wieder-) Einstieg ins Erwerbsleben. Und tatsächlich gibt es auch zahlreiche Projekte Sozialer Unternehmen in Österreich, die ihren Beitrag zur Umsetzung eines sozial verträglichen Ferienprogrammes leisten können!

Wir haben einige Beispiele Sozialer Unternehmen (zum Großteil Mitglieder von arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich, aber nicht ausschließlich) herausgepickt und freuen uns, hier unseren kleinen Guide für „Urlaub plus mehr“ aufzulisten!

Wir starten heute mit Wien, dem Burgenland, Nieder- und Oberösterreich, weitere Tipps und Ergänzungen gerne an martina.koenighofer@arbeitplus.at und/oder als Comments in den Sozialen Medien!

WIEN

Die Bundeshauptstadt hat einiges zu bieten, will man als Reisende*r die beiden Fliegen „Erholung“ und „etwas Sinnvolles tun“ mit einer Klappe schlagen: Reist man mit dem Zug an, bietet sich gleich am Hauptbahnhof die Gelegenheit, im Sozialökonomischen Betrieb Radstation City-, E-Bikes, E-Scooter oder auch Kinderräder stunden-, tage- oder wochenweise auszuleihen. Mit im Paket der ökologischen Stadterkundung sind Radkarten mit deren Hilfe auch die idyllische Route durchs Arsenal und den grünen Prater zum Catamaran an der Donau herausgefunden werden kann. Dort angekommen, kann man sich den Bauch beim Mittagstisch der Caterei mit leckeren Speisen vollschlagen. Die Köch*innen und Servicekräfte, die international inspirierte Gerichte als Mittagsmenüs zaubern, sind arbeitsmarktferne und/oder mit psychischen Problemen belastete Menschen, die im Projekt die Möglichkeit haben, durch Qualifikation und psychosoziale Unterstützung neue berufliche Perspektiven zu entwickeln.

Gut gestärkt geht’s mit dem Rad weiter auf die Donauinsel. Dort kann man nicht nur Abkühlung im Wasser finden, sondern im nördlichsten Teil der Insel auch die genüsslich weidenden Krainer Steinschafe beobachten. Die Schafe sind Teil eines EU Projektes, im Rahmen dessen von WUK bio.pflanzen Gebiete im Marchfeld und nun auch auf der Donauinsel beweidet und bewirtschaftet werden. Wie so viele der Sozialen Unternehmen im Netzwerk von arbeit plus vereint auch dieses Projekt Aspekte ökologischer Nachhaltigkeit mit fairen Chancen am Arbeitsmarkt.

Nach so viel flauschigem, beschaulichen #sheepcontent geht’s zurück ins Zentrum der Großstadt. Hier bieten etwa Shades Tours oder Supertramps geführte Stadtrundgänge an, die Einblicke in die Lebenswelten Geflüchteter oder Obdachloser bieten – geführt von den Expert*innen ihrer Lebenssituationen selbst und dadurch ausgesprochen facettenreich, spannend und authentisch!

Gestärkt wird sich nach dem Sightseeing der besonderen Art am besten im legendären Inigo. Das Lokal ist in den mehr als 25 Jahren seines Bestehens zu einer nicht mehr wegzudenkenden Wiener Gastro-Institution gewachsen, das durch zentrale Lage und raffinierte Speisen punktet. Nicht weniger raffiniert und zentral kann man sich im Michl’s oder dem Top-Lokal verköstigen. Alle drei Gastro-Betriebe sind Soziale Unternehmen und unterstützen nicht nur ihre Mitarbeiter*innen bei der Reintegration in den Arbeitsmarkt, sondern verfügen auch über durchwegs innovative weitere Unternehmens-Assets und Tätigkeitsbereiche, wie etwa Lieferservice per Fahrrad oder Catering. Sie betreiben außerdem Supermärkte, Kantinen, Cafés in Pensionist*innenwohnheimen oder dienen als kulturelle Veranstaltungs- und Seminarräume – mehr Infos hierzu finden sich auf den jeweiligen verlinkten Websites!

Gastronomie vom Feinsten bietet auch die Kant_ine Vier Zehn in der Wiener Vorstadt. Ein Besuch des sozial-ökonomischen Beschäftigungsprojektes bietet sich vor allem auch aufgrund des internationalen Kulturangebotes an, das die Sargfabrik, in dem sich die Kant_ine Vier Zehn befindet, zu einem so besonderen Ort werden lässt. Somit ist auch schon für die Abendgestaltung des sozial-verträglichen Wien-Trips gesorgt!  Wer am Weg zur Sargfabrik noch vor 16:30 dran ist, kann einen kurzen Abstecher in die Werkstatt und den Showroom von trashdesign einplanen.

Ihr seht schon – Wien hat wirklich eine reiche Fülle an tollen Sozialen Unternehmen zu bieten! Und da sprechen wir jetzt mal nur vom „touristischen“ Bereich! Eine Übersicht aller Unternehmen im Netzwerk von arbeit plus, inklusive nicht minder toller Beratungseinrichtungen und Qualifizierungsmaßnahmen findet sich > hier.

Wer in Wien übernachtet, kann dies im Öko-Boutiquehotel Stadthalle und in Magdas Hotel in von gabarage upcycling design und aus den sogenannten carlas ausgestatteten Hotelzimmern tun. In den upgecycleten Betten und beflügelt vom dicht gefüllten „Sozialer Mehrwert-Tag“ läßt es sich wunderbar von einer besseren Welt träumen!

Gut ausgeschlafen geht es dann am nächsten Tag zum Souvenir-Shoppen: Im Concept-Store Schön & Gut im Vierten findet man eine breite Palette an fair produzierten und ökologisch hochwertigen Produkten Sozialer Unternehmen: vom Wiener Bezirkshonig bis hin zum Wiener Turnsackerl gib es hier passende Erinnerungsstücke an den Wien-Trip zu erstehen. Auch in der Galerie des Arbeitsintegrations- und Kunstprojektes für Menschen mit Behinderung unik.at im achten Bezirk wird man als Erinnerungsstücksucher*in leicht fündig und kann sich auch gleich mit einem hippen Rote Rübe-Orange-Kokos-Drink aus der Mentorix Saftbar stärken! Auch im markt_platz shop am Yppenplatz finden sich zahlreiche Produkte aus Initiativen wie dem ArbeitsRaum, einem Gemeinschaftsprojekt der Caritas Wien und Volkshilfe Wien.

Neben einem Koffer voll bepackt mit Andenken an den „Kurzurlaub plus“ in Wien bleibt hoffentlich auch die Erfahrungs-Bereicherung aus den Begegnungen mit den Mitarbeiter*innen Sozialer Unternehmen, die in ihren Jobs eine wertschätzende und unterstützende Begleitung zurück am Weg in den Arbeitsmarkt erfahren.

NIEDERÖSTERREICH

Wer seinen Balkon mit besonderen Gemüsen, wie etwa Luffa-Gurken, Ledermelonen, oder aber auch mit den good old Klassikern wie Fleischparadeisern und Basilikum bepflanzen möchte, dem sei ein Kurztrip zum ab Hof Verkauf bei WUK bio.pflanzen in Gänserndorf ans Herz gelegt. Die Soziale Landwirtschaft hat all das und mehr im Sortiment. Die Pflänzchen sprießen dort unter der Obhut ehemals Langzeitbeschäftigungsloser im Alter von 24 – 60 Jahren, die als Transitarbeitskräfte den grünen Daumen hoch halten. Sie werden dort fachlich weitergebildet und sozialarbeiterisch begleitet.

So richtig Urlaub machen kann man im Herzen der Buckligen Welt im Upcycling Hotel Binder. Das ehemalige Kurhotel im Ortszentrum von Mönichkirchen wird vom Verein Grüner Kreis betrieben, der sich für die Rehabilitation und Integration suchtkranker Menschen einsetzt. In vom Sozialen Unternehmen gabarage gestalteten und Filmklassikern nachempfundenen Themenzimmern kann man sich stark wie Pippi Langstrumpf fühlen oder in die fabelhafte Welt der Amélie eintauchen. Auch für wildromantische Geierwallys ist das richtige Ambiente dabei! Die weitläufigen Wiesen und Wälder der Umgebung sind ideal geeignet für Spaziergänge, Wanderungen und sonstige Outdoor-Aktivitäten. Relaxt wird dann im Wellnessbereich mit Sauna, Sole-Dampfkammer, nur um sich danach kulinarisch vom hausinternen Cateringteam verwöhnen zu lassen!

Auf der Rückreise, oder einfach so, als kleiner Trip zwischendurch, empfiehlt sich ein Besuch beim Frauenbeschäftigungsprojekt NESIB in Neunkirchen. Dort kann man nicht nur wirklich stylishe Notizbücherl oder Tote Bags aus upgecycleten Dirndln erstehen, sondern sich sogar ein maßgeschneidertes Schwarzataler Dirndl fertigen lassen! Das Projekt beschäftigt arbeitsmarktferne Frauen, deren Berufschancen und Lebensqualität durch entsprechendes Training, Qualifizierung und geregelte Berufstätigkeit, Betreuung & Beratung und eine materielle Existenzsicherung verbessert werden. Eine win-win-win Situation also für euch und die Mitarbeiter*innen des Sozialen Unternehmens: hippe Vintage Trachtenmode und ein spannender Trip ins südliche Niederösterreich für euch, in einer eleganten Kombination mit fairen Jobs & Empowerment für die Mitarbeiter*innen im Industrieviertel! Nach dem Anprobieren empfiehlt sich eine Erfrischung im von der NEBA Produktionsschule Industrieviertel Süd betriebenen Espresso & Saftladen! Südliches Flair samt Urlaubsfeeling entsteht im italienisch angehauchten Stehcafé, in dem Jugendliche ein arbeitsmarktnahes Training entsprechend ihrer Qualifikationen und Bedürfnisse absolvieren und leckere Tramezzinis, perfekte Latte Macchiatos und coole Shakes servieren.

In einem anderen Teil Niederösterreichs, nämlich in Amstetten, schläft die kulinarische Konkurrenz auch nicht!  Im unida café kann man hervorragende hausgemachte Mehlspeisen schlemmen und sich Klassiker aus dem Eissortiment, wie „Heiße Liebe“ und „Bananensplit“, auf der Zunge zergehen lassen!

BURGENLAND

Für Windsurfer*innen, Birdwatcher*innen und Naherholungs-suchende Wiener*innen ist der Neusiedlersee schon längst eine nicht mehr wegzudenkende Sommerdestination. Und auch hier, direkt am österreichisch-ungarischen Binnensee, lässt sich ein Ausflug wunderbar mit den Vorzügen Sozialer Unternehmen verknüpfen!

Bei den Koryphäen, einem sozialökonomischen Betrieb in Neusiedl am See, werden nämlich traditionelle burgenländische Blaudrucke zu hippen, zeitgemäßen Gym Bags, Tagesdecken und reisetauglichen Nackenhörnchen vernäht. Die Kunst des Blaudruckes wurde sogar in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen! Die Koryphäen sind u.a. auch beim „Earth Market“ (20.7., 17.8.) in Parndorf und beim Bauernmarkt im Weiden am See (18.8.) mit dabei. Einem Shopping-Erlebnis der anderen Art, abseits von Outlet-Kommerz steht also nichts mehr im Wege!

OBERÖSTERREICH

Angesichts des Wahnsinns-Freizeitangebotes, das das Mühlviertel zu bieten hat, erscheint ein Aufenthalt im Jugendgästehaus Ulrichsberg schon eher für eine ganze Ferienwoche, als für einen Day-Trip geeignet. Die Herberge ist Teil des Projektes ALOM Böhmerwaldwerkstatt und unterstützt Menschen beim Jobeinstieg. Mit 34 Betten, vom Einzelzimmer bis hin zum Matratzenlager, lässt es sich dort wirklich hervorragen ökologisch und sozial verträglich urlauben!

Donaublick, vielfach ausgezeichnete Hotellerie und ein reiches Kulturangebot zeichnen das Hotel Wesenufer Hotel & Seminarkultur in Waldkirchen am Wesen im Innviertel aus. Das Hotel, eingebettet in die malerische Landschaft nahe der Schlögener Donauschlinge, ist ein Angebot von pro mente Oberösterreich und arbeitet mit und für psychosozial beeinträchtigte Menschen, die in Form unterschiedlicher Arbeitsmodelle ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen im Hotel- und Seminarbetrieb erweitern. Der Leitsatz „Es ist normal anders zu sein“ spiegelt sich auch im Angebot wider: das Hotel ist samt seiner Seminareinrichtungen bestens auf die besonderen Bedürfnisse und Anforderungen von Menschen mit Beeinträchtigungen eingestellt!

arbeit plus

Die vorgestellten Lokale, Shops, Initiativen und Unterkünfte in dieser ersten Ausgabe des kleinen Reise-Guides sollen euch als Anregung dienen, den Mehrwert, den Soziale Unternehmen bieten, in eure Planungen mit einzubeziehen. So werdet ihr zu einem wichtigen Teil im ambitionierten Prozess, den sich arbeit plus und die 200 gemeinnützigen Unternehmen in unserem Netzwerk zum Ziel gesetzt haben: nämlich dem strukturellen Problem der Arbeitslosigkeit aktiv entgegenzuwirken und somit Menschen soziale Teilhabe und selbstbestimmte Lebensweisen zu ermöglichen. Die oben vorgestellten Betriebe sind nur einige wenige der zahlreichen Sozialen Unternehmen, die eine wirklich umfassende Palette an Dienstleistungen und Services in Bereichen wie Recycling und Reuse, Transport und Übersiedlung und vielem, vielem mehr anbieten. Einen Überblick bietet die > Datenbank Sozialer Unternehmen, die auf der Website von arbeit plus zu finden ist.

Wir wünschen euch einen schönen Sommer voll guter Erholung bei interessanten Day-Trips oder längeren Urlauben, mit Einblicken in spannende Arbeitsmodelle, wunderbare Träume in den Betten sozial verträglicher Unterkünfte, nachhaltige Souvenirs und viele kulinarische Highlights!

„Herausforderung angenommen“: Das war die Mitarbeiter*innentagung 2018!

„Wir spüren es alle: Nach dem Rückenwind der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, blicken die Sozialen Unternehmen nun raueren Zeiten entgegen. Doch egal, woher der Wind weht: Gute Seglerinnen und Segler bringen das Schiff immer vorwärts“, sagt arbeit plus-Vorstandsvorsitzende Manuela Vollmann in ihren Eröffnungsworten und streut den rund 110 Teilnehmer*innen der arbeit plus -Tagung 2018 Rosen: „Ein Grund für unsere Zuversicht sind Sie, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialen Unternehmen.“

Manuela Vollmann: „Brauchen uns nicht zu verstecken.“

Vollmann ist überzeugt: „Ich denke, Sie und wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wenn wir weiterhin bei dem bleiben, was wir können, authentisch sind und gut unseren Job machen, sind wir für die kommende Reise gut gerüstet.“ Bündnispartner*innen sowie Kooperationen, auch mit der Wirtschaft, würden dabei künftig eine noch größere Rolle spielen.

Rund 110 Mitarbeiter*innen Sozialer Unternehmen waren bei der Tagung dabei.

Die Tagung findet vom 26. bis 27. Februar in St. Pölten statt und richtet sich an alle Personalentwickler*innen, Arbeitsanleiter*innen, Berater*innen, Trainer*innen, kurz: alle Schlüsselkräfte der Sozialen Unternehmen in Österreich. Veranstaltet wird sie von den Beschäftigungsbetriebe Steiermark (BBS)  und arbeit plus Niederösterreich in Zusammenarbeit mit arbeit plus Österreich. Zwei Halbtage lang setzen sich die Teilnehmer*innen unter der professionellen Moderation von Silvia Wolf (Jugend am Werk Steiermark) intensiv mit zentralen Themen wie Digitalisierung, den Spannungsfeldern in der Vermittlungsarbeit sowie den Schwierigkeiten und Erfolgen in ihrem herausfordernden Berufsalltag auseinander.

Digitalisierung als Chance

Irene Kribernegg: „Digitalisierung als Chance“

„Digitalisierung bringt viele Herausforderungen, aber auch viele Chancen“, betont Irene Kribernegg (ILWIS Relations & Recruiting) in ihrem spannenden Fachvortrag zu möglichen Bewerbungsstrategien im Netz. Schlüsselarbeitskräfte in Sozialen Unternehmen seien hier mit einem „digitalen Spagat“ konfrontiert, da sie oft mit Menschen arbeiten, die kaum Berührungspunkte mit dem Internet und mobilen Endgeräten haben: „Die Frage ist, stecken wir den Kopf in den Sand, oder gehen wir auf Angriff?!“.

Silvia Wolf führte engagiert durchs Programm.

Weil Unternehmen beim Recruiting zunehmend auf das Internet setzen, rät Kribernegg den Personalentwicker*innen  Outplacer*innen, dafür zu sorgen „dass ihre Klient*innen im Netz gefunden werden“, etwa, indem sie auf digitalen Recruitingsplattformen wie Hokify und Sozialen & Business Network Plattformen wie Facebook oder Xing präsent seien. Auch eine eigene, individuelle Bewerbungwebsite könne im Einzelfall für Auffindbarkeit sorgen, wie Kribernegg mit anschaulichen Beispielen demonstriert. Weitere Tipps der Expertin: „Unterschätzen Sie die regionalen Jobbörsen, wie etwa www.steirerjobs.at oder www.jobwein.at – fürs Weinviertel – nicht. Seien Sie aber auch mutig und ,anders:´ Ein authentisches Bewerbungsvideo kann auf emotionale Weise Türen aufstoßen.“

Angst vor dem Computer nehmen

Die „Pinnwandrunden“ regten zum Nachdenken an.

Im Rahmen der späteren „Pinnwand-Runde“, in der die Tagungsteilnehmer*innen zu bestimmten Themen ihre Meinung kundtun, kommt das Thema Digitalisierung & Bewerbung noch einmal zur Sprache. „Wichtig ist, den Menschen die Angst vor Neuem zu nehmen und ihnen zu vermitteln, Online-Bewerbungen sind gar keine Hexerei“, lautet eine Meinung.  Andere finden: „Ich arbeite viel mit älteren Menschen, die nichts mit einem PC anfangen und das auch nicht wollen. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe, dies zu ändern“, und: „Für unser Klientel sind unsere persönlichen Kontakte zu Firmen oft wichtiger als digitale Werkzeuge. Mir fehlt die Zeit für EDV-Trainings und es ist auch eine sehr individuelle Entscheidung, ob man bei Facebook und Co. präsent sein möchte.“

Um arbeitsmarktfernen Menschen die Scheu zu nehmen, bietet das niederösterreichische Soziale Unternehmen GESA EDV-Schulungen, auch für jene an, „die noch nie eine Maus in der Hand gehalten haben.“ Die GESA ist übrigens im Rahmen des Abendprogramms später auch Ort eines beeindruckenden Lokalaugenscheins: Hinter dem Stammhaus in der Daniel Gran-Straße 36 in St. Pölten entsteht derzeit das „Haus des Lernens“. Die Errichtung des nunmehr fast fertigen Baus ist eine Innovation, weil fast ausschließlich natürlich nachwachsende Baumaterialien wie Stroh (für das Innenleben der Wände), Lehm und Holz verwendet werden. Zusätzlich werden im Rahmen des Bauvorhabens arbeitssuchende Personen beschäftigt und qualifiziert. Im neuen Haus werden Lernwerkstätten, Büros und Seminarräume eingerichtet.

Stark und fit

Action im Workshop „Stark und Fit“

Eine breite Palette an Tipps und Tricks bieten die vier Workshops am Nachmittag. Unter dem Motto „Stark und fit“ animieren Petra Zöchner und Mario Szkledar (p&m OG) die Teilnehmer*innen dazu, „den Kopf für die nächsten eineinhalb Stunden draußen zu lassen, denn denken tun wir eh genug“. Die zahlreichen Übungen zur Entspannung im Alltag werden gleich an Ort und Stelle ausprobiert: Bei Müdigkeit rät Zöchner beispielsweise, die Finger an den Schläfen kreisen zu lassen: „Das aktiviert und dort befinden sich übrigens auch Akupunkturpunkte gegen Kopfschmerzen.“

Wenn Qualifikationen reisen

Im Workshop „Wenn Qualifikationen reisen“ geleitet Edith Zitz (inspire -Verein für Bildung und Management) die Anwesenden sicher durch den Regel-Dschungel bei der Anerkennung und Bewertung von (Berufs-)Qualifikationen, die im Ausland erworben wurden. Der Workshop „Rüstig und erfahren“ von Angelika Thaller und Klaus Jäger (FAB) thematisiert die Chancen und Hemmnisse der Zielgruppe 50plus. „Österreich hat sich bei den Erwerbsquoten von älteren Menschen verbessert, aber noch nicht genug“, sagt Thaller. Sie plädiert in diesem Zusammenhang auch für ein Umdenken bei den Unternehmen: „Es gibt nach wie vor Firmen, die prinzipiell keine Menschen über 50 einstellen und deren Lebensläufe schon von vorneherein aussortieren. Das muss sich ändern.“

Zusammenbringen, was zusammengehört

Alois Huber: „Vermittlung geht alle etwas an.“

Alois Huber (www.aloishuber.com), der Leiter des Workshops „Zusammenbringen, was zusammengehört“ plädiert eindrücklich dafür, dass die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt von allen Mitarbeiter*innen Sozialer Unterleben gelebt wird. Sein Credo: „Vermittlung geht alle etwas an.“ Und: „Sie sollte ab der ersten Minute beginnen, in dem Sinn, dass beispielsweise Transitmitarbeiter*innen wissen, wer wofür zuständig ist und den Outplacer oder die Outplacerin nicht erst einige Wochen nach Eintritt ins Unternehmen kennenlernen.“ Nach dem Motto „befähigen, es selbst zu tun“ findet Huber es zudem enorm wichtig, die Menschen dort tatkräftig zu unterstützen, wo sie Hilfe benötigen, aber die Verantwortung für die Jobsuche bei ihnen zu belassen.

Türöffner in den Arbeitsmarkt

Austausch unter Kolleg*innen macht Spaß und gibt Kraft.

Im Zuge der Podiumsdiskussion und den anschließenden Pinnwandgesprächen wird eindrücklich klar, welch wichtige Rolle Soziale Unternehmen bei der Vermittlung von langzeitarbeitslosen Menschen in den ersten Arbeitsmarkt spielte. So erzählte beispielsweise Astrid Prommegger von der SASt GmbH von einer albanischen Juristin, die dringend einen Job zum Überleben benötigte, aber mit ihrem Lebenslauf am österreichischen Arbeitsmarkt keine Chance hatte. Auf Vermittlung des Sozialen Unternehmens arbeitet die Frau nun in der Gastronomie.
Prommegger dazu: „Ich schicke den Betrieben in so einem Fall vorerst keine Unterlagen, ich sage ihnen, ich habe hier eine Person, die tolle Arbeit leistet und schlage ein Praktikum vor. Die Frau wurde fast vom Fleck weg engagiert. Das ist eben der Mehrwert, den wir als Soziale Unternehmen leisten: Wir können den Personen einen Fuß in der Tür verschaffen.“

(alle Fotos: arbeit plus/Franz Gleiss)

Download: Tagungsbericht2018

Aus dem „nöb“ wurde nun arbeit plus – Soziale Unternehmen Niederösterreich!

Mit einem Festakt feierte der Niederösterreichische Dachverband für Bildung, Beratung, Beschäftigung (nöb) im November sein 20jähriges Jubiläum – und heißt ab nun „arbeit plus – Soziale Unternehmen Niederösterreich“.

Der Dachverband für Bildung, Beratung, Beschäftigung ist eine niederösterreichweite Vernetzung von arbeitsmarktpolitischen gemeinnützigen Organisationen. Seine Mitgliedseinrichtungen unterstützen Menschen bei deren Bemühungen, im Arbeitsleben (wieder) Fuß zu fassen. „Sie sind derzeit am NÖ Arbeitsmarkt besonders benachteiligt: Personen über 50 Jahren, Jugendliche ohne Berufsausbildung oder auch Frauen. Speziell diese Personengruppen – wie auch andere Langzeitbeschäftigungslose – unterstützen unsere Mitgliedseinrichtungen“, erklärte Christine Krampl, Mitglied des Vorstands von arbeit plus – Soziale Unternehmen Niederösterreich.

Happy Birthday, arbeit plus Niederösterreich!

Happy Birthday, arbeit plus Niederösterreich!

Arbeit als zentrales Thema für die Menschen

Über 80 Gäste – darunter auch Ehrengäste wie Landeshauptmann-Stellvertreterin Johanna Mikl-Leitner, Landesrat Maurice Androsch und AMS NÖ-Chef Karl Fakler – gratulierten zum 20. Jubiläum. „Für jeden Niederösterreicher und jede Niederösterreicherin ist die Arbeit ein ganz wichtiges und zentrales Thema. Es ist wesentlicher Bestandteil von unserem gesamten Leben. Beschäftigung und Bildung sind aber auch wesentliche Bestandteile des NÖ Dachverbandes für Bildung, Beratung, Beschäftigung. Ich gratuliere dem nöb zum runden Jubiläum und freue mich weiterhin auf die gute Zusammenarbeit“, so LH-Stellvertreterin Johanna Mikl-Leitner.

Der nöb (nunmehr arbeit plus Niederösterreich) erweise sich als professionelle Gesprächsplattform, um Veränderungen, die „für uns alle schwierig sind zu meistern, offen und vernünftig zu diskutieren“, erklärte der AMS NÖ-Chef. „Jede erfolgreiche (Re)Integration in den Arbeitsmarkt führt neben sozialer Integration auch zur Stärkung des Selbstwertgefühls entsprechend der nöb – Vision: Alle Menschen sollen in ihrer Individualität akzeptiert werden und die Möglichkeit haben, an der Gesellschaft in vollem Umfang teilzuhaben“, so Peter Ptacek von der Abteilung Soziales der NÖ Landesregierung.

Als „arbeit plus“ in die Zukunft

Zum Geburtstag machte sich der nöb selbst ein ganz besonderes Geschenk: „Wir heißen künftig „arbeit plus – Soziale Unternehmen Niederösterreich“, weil wir unterstreichen möchten, dass unsere Unternehmen und unser Engagement für arbeitssuchende Menschen auf vielen unterschiedlichen Ebenen einen Mehrwert haben“, erklärte dazu Vorstandsmitglied Christine Krampl.

Vor den Vorhang: Die Beratung der „Hebebühne“ in Tulln wirkt

Diese Beratung wirkt: Rund 1.200 Personen suchen pro Jahr das Beratungs- und Betreuungsangebot des Vereins Hebebühne auf. Mehr als die Hälfte davon schafft durch die professionelle Unterstützung den Schritt zurück auf den Arbeitsmarkt. „In der momentanen Lage ist das eine sehr gute Zahl, da unsere Leistungen eher von Gruppen angenommen werden, die auf dem Arbeitsmarkt weniger Chancen haben“, betont Hebebühne-Geschäftsführer Michael Glaser.

Der Verein Hebebühne mit Beratungsstandorten in Tulln und Purkersdorf und einem Schulungsstandort in Krems unterstützt seit 1989 arbeitssuchende Menschen in den Bereichen Arbeit und Bildung. Das Angebot umfasst darüber hinaus auch Familienberatungen und Unterstützung bei juristischen und medizinischen Fragen.

Putz-Alb (Projektleiterion Beratung) und Geschäftsführer Glaser unterstützen bei der Arbeitssuche.

Putz-Alb (Projektleiterin Beratung) und Geschäftsführer Glaser unterstützen bei der Arbeitssuche.

Angebote für alle Personengruppen

Einen Vorteil der Hebebühne sieht Glaser darin, dass sich die Beratungseinrichtung nicht auf eine Zielgruppe beschränkt, sondern allen Personengruppen offen steht. „Unabhängig davon, ob es sich um Frauen, Jugendliche oder ältere Personen handelt: letztendlich geht es darum, welche Lösungen die jeweilige Person für ihren eigenen Weg braucht. Hier arbeiten wir sehr zielorientiert“, so Glaser.

Je nach Bedürfnis der Person und vereinbartem Ziel stehen vier Beratungsangebote zur Verfügung: Einzelberatung, Bewerbungswerkstätten, Workshops und Beratungsprozesse mit Einzelgesprächen, Gruppen- und Selbstlernphasen.

„Das Ziel ist, den Leuten ihre eigenen Kompetenzen bewusst zu machen. Über Hobbies und Freizeitbeschäftigungen eignet man sich ja auch Kompetenzen an. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was sie im Laufe ihres Lebens an Fähigkeiten gewinnen. Darum geht es auch in den Workshops – dies bewusst zu machen und dadurch die Person zu stärken und dann die Arbeitssuche zielgerichtet darauf abzustimmen“, erklärt der Geschäftsführer der Hebebühne.

Beratung spart Kosten

Projektleiterin Beratung Ulrike Putz-Alb betont, dass die Beratung nicht nur den Personen selbst hilft, sondern auch nachhaltig Kosten in anderen Bereichen spart. „Die Personen bekommen bei uns rasch Informationen, wo ihnen noch adäquat geholfen werden kann. Um Krankheiten vorzubeugen oder Faktoren, die beim Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt hinderlich sind, rechtzeitig zu erkennen und zu bearbeiten. Diese präventive Tätigkeit kann auch das Abrutschen in die Armut verhindern.“
Stark im Steigen sind laut Putz-Alb mehrfach gesundheitliche Einschränkungen im körperlichen wie auch psychischen Bereich. Besonders oft sind die BeraterInnen auch mit Problemen rund um Alter, Minderqualifizierung und orientierungslose Jugendliche konfrontiert.

Neben dem persönlichen Gespräch bietet die Hebebühne auch die Möglichkeit zur Online-Beratung: Hier können beispielsweise Bewerbungsunterlagen rasch überprüft werden. „Speziell Jugendliche können mittels Chat und Mail einfach erreicht werden“, so Putz-Alb.

Vor den Vorhang: Ökokreis greift älteren Arbeitslosen unter die Arme

Mit über 50 Jahren den Job verlieren, das ist die Horrorvorstellung eines jeden Arbeitnehmers. Genau das ist vor 2,5 Jahren dem damals 54-jährigen Erich Bachmann aus Göpfritz an der Wild (Bezirk Zwettl) passiert. Der gelernte Maler wurde im Frühjahr 2013 arbeitslos. Und hat über den Verein Ökokreis in Ottenstein, dessen Projekte aus Mitteln des AMS NÖ und des Landes NÖ finanziert werden, wieder eine Beschäftigung am Arbeitsmarkt gefunden.

Erich Bachmann (l.) mit seinem Ausbildner Jörg Emmer vom Verein Ökokreis

Rund ein Jahr war Bachmann arbeitslos, bevor er über die Vermittlung durch das AMS Zwettl im Projekt „FAIRnetzt“ des Ökokreises seinen Führerschein machte. Den hatte Bachmann keineswegs verloren – er hat ihn bis zu diesem Zeitpunkt nie gemacht. In der Arbeitslosigkeit stellte dies ein Vermittlungshemmnis dar. „Der Sinn des Projekts FAIRnetzt war, Vermittlungshemmnisse abzubauen“, sagt Ute Blaich, Geschäftsführerin des Vereins Ökokreis. Das kann bei Bedarf auch die Auffrischung von Basisbildung sein.

Normales Dienstverhältnis für ein halbes Jahr

Im Anschluss daran hat Erich Bachmann im Projekt „Naturwerkstatt“ beim Ökokreis eine befristete Beschäftigungsmöglichkeit, einen sogenannten Transitplatz, erhalten. „Dabei handelt es sich um einen normalen Arbeitsplatz und ein normales Dienstverhältnis für ein halbes Jahr“, erklärt AMS Zwettl-Geschäftsstellenleiter Kurt Steinbauer.

Erich Bachmann arbeitete an seinem Transitplatz beim Ökokreis in den Bereichen Garten- und Grünraumpflege, Obstverarbeitung und Verkauf. Und so kam der heute 56-Jährige zu seinem aktuellen Job: Die Beschäftigten der „Naturwerkstatt“ waren auch für die Grünraumpflege im Stift Altenburg zuständig. Denn durch Umstrukturierungen stellte das Stift Altenburg selbst Mitte März 2015 drei Personen an, die für die Grünraumbewirtschaftung zuständig sind – unter anderem Erich Bachmann als Gartenhelfer.

*Dieser Beitrag von Anita Kiefer (Text) und Erich Marschik (Foto) ist am 29.12.2015 in der NÖN erschienen. Wir danken dem Medium für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

Vor den Vorhang: Ein Greißler mit gewissen Extras

Wie überlebt heutzutage ein kleines Lebensmittelgeschäft in einer Bezirksstadt im Waldviertel? Bei lebmit&bunttex (Verein Soziale Initiative Gmünd), den Betreiberinnen des Nah&Frisch-Geschäfts am Schubertplatz 19 verfolgt man folgende Strategie: „Wir versuchen unseren Kundinnen und Kunden gewisse Extras zu bieten, und das funktioniert auch ganz gut“, sagt Sabine Neumann-Jeram, eine der beiden Geschäftsführerinnen des sozialökonomischen Betriebes und damit auch des Ladens

Mehr als nur ein Lebensmittelladen

Im Klartext heißt das: Vor allem ältere KundInnen lassen sich ihre Einkäufe gerne auch mal nachhause liefern, wenn die Sackerl zu schwer zum Tragen sind. Wer krank ist, ruft einfach im Geschäft an. Und wer nach dem Einkauf noch ein bisschen plaudern will, findet in der kleinen Kaffeeecke des Ladens ein Plätzchen zum Ausruhen. Schulkinder und Geschäftsleute wiederum nutzen vor Unterrichts- oder Arbeitsbeginn gerne das Angebot an frischen Jausenweckerln: „Für so ein kleines Geschäft haben wir eine relativ große Feinkostabteilung mit Produkten aus der Gegend“, betont Sabine Neumann-Jeram. Auch lokale Firmen und Institutionen lassen sich vom Schubertplatz für spezielle Events und Feiern Platten mit belegten Brötchen liefern. Dass der Postbus quasi vor der Tür seine Haltestelle hat, belebt zusätzlich das Geschäft.

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Für die sieben Frauen mit und ohne Behinderung, die hier jeweils befristet auf maximal ein Jahr und gefördert vom AMS oder Sozialministeriumsservice im Verkauf tätig sind, soll die Anstellung ein wichtiger Schritt zurück in einen fixen Job sein. Um dieses Ziel zu erreichen, stehen ihnen Sozialpädagoginnen mit Rat und Tat zur Seite: „Es war schon in wirtschaftlich guten Zeiten nicht ganz einfach, für Frauen mit Behinderungen oder speziellen Vermittlungshindernissen einen Arbeitsplatz zu finden. Aber jetzt ist es wirklich schwierig geworden“, sagt Hertha Hiemetzberger, eine der Diplomsozialarbeiterinnen des sozialökonomischen Betriebes. Dazu komme der strukturelle Wandel in der Region Waldviertel: „Viele Unternehmen und Fabriken, etwa im Bereich der Textil- und Glasindustrie, sind abgewandert. Die Betriebe hier in der Region sind Klein- und Mittelbetriebe. Sie kämpfen manchmal selbst ums Überleben, da kann man es ihnen nicht verdenken, wenn sie kaum Leute aufnehmen. Es gibt einfach zu wenige Jobs, vor allem für niedrig qualifizierte Personen.“

Immer mehr Frauen, die die Sozialarbeiterinnen bei lebmit&bunttex sozialpädagogisch begleiten, hätten zudem mit physischen und psychischen Problemen zu kämpfen: Neben umfassenden Kinderbetreuungspflichten und mangelnder Mobilität (kein Führerschein, oder ein Auto nicht finanzierbar) seien das die größten Vermittlungshindernisse. Hertha Hiemetzberger sagt, viele Frauen hielten dem steigenden Druck am 1. Arbeitsmarkt nicht (mehr) stand: „Die Frauen wollen aber arbeiten. Bei uns können sie sich schrittweise wieder an ihre volle Leistungsfähigkeit heran-arbeiten “.

Stufenweise zu einem neuen Job

Möglich macht dies das Niederösterreichische „Stufenmodell der Integration“, das lebmit & bunttex seit Jänner 2014 anwendet. Hier werden Menschen mit besonders langer Erwerbslosigkeit bzw. mit physischen und/oder psychischen Beeinträchtigungen Schritt für Schritt ans Erwerbsleben herangeführt. Die „Stufen“ reichen dabei vom Clearing und stundenweiser betreuter Beschäftigung über Arbeitstraining und Transitarbeit bis hin zu Übergangsarbeitsplätzen und Nachbetreuung.

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Vor den Vorhang: Sozial Aktiv gestaltet Gütesiegel-Trophäe

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Ernst Tüchler und Erika Königseder mit dem siegreichen Entwurf der Gütesiegel-Trophäe

„Bei uns haben sich alle sehr gefreut, als wir erfahren haben, dass wir Erster sind“, sagt Erika Königseder vom Verein Sozial Aktiv in Gmünd. „Erster“ wurde der Sozialökonomische Betrieb, wie berichtet, beim Wettbewerb zur Gestaltung der Gütesiegel-Trophäe, die Anfang Dezember den neu zertifizierten Betrieben zusätzlich zur Urkunde überreicht wird. „Unsere Metallwerkstatt ist sehr kreativ, da habe ich mir gleich gedacht, das könnte passen“, streut Königseder dem Werkstattleiter und Trophäengestalter Ernst Tüchler Rosen.

„Sozial Aktiv“ befindet sich im Industriegebiet von Gmünd. Mit insgesamt 22 Arbeitsplätzen bietet das Soziale Unternehmen den dort befristet beschäftigten Frauen und Männern die Chance auf einen (Wieder-)Einstieg ins Erwerbsleben. Dazu kommen drei Lehrlinge in der Metallwerkstatt und vier Plätze in der Schulungsmaßnahme im Rahmen des Projekts FAIRnetzt. Die Qualifizierung in der Metallwerkstatt und Tischlerei ist dabei ein wichtiger Baustein, um den Schritt in den regulären Arbeitsmarkt zu schaffen. Dazu bietet Sozial Aktiv im Großraum Gmünd auch Leistungen im Bereich von Grünraumpflege und Bau- und Sanierungsarbeiten an.

Teilnehmer 1Das vom bdv austria entwickelte Gütesiegel für Soziale Unternehmen steht für die Einhaltung sozialer, organisatorischer und wirtschaftlicher Qualitätsstandards in Sozialen Unternehmen, die sich die berufliche Integration von langzeitbeschäftigungslosen Menschen zum Ziel gesetzt haben.

Neues Jahr mit neuen Herausforderungen

„Das kommende Jahr wird für Sozial Aktiv eine enorme Herausforderung“, sagt Königseder: „Aufgrund von neuen Vorgaben des Arbeitsmarktservice können wir ab 2015 die Transitmitarbeiterinnen und Transitmitarbeiter nur noch ein halbes Jahr, statt wie bisher maximal ein Jahr beschäftigen.“ Bei Sozial Aktiv ist diese neue Regel gleich doppelt herausfordernd. Denn: „Mir kommt vor, die Menschen, die wir einstellen, werden immer ärmer und sind oft hoch verschuldet. Eine Begleitung in den Privatkonkurs wird zeitlich kaum mehr möglich sein. Und sie kämpfen auch sonst mit vielen Problemen. Da ist es äußerst schwierig, gemeinsam mit ihnen nach schon einem halben Jahr einen langfristigen Job zu finden“, so Königseder. Dazu kommt: „Viele unserer Maschinen in den Werkstätten sind kompliziert zu bedienen, und die Einschulungen dauern dementsprechend lang. Kaum sind sie angelernt, ist das halbe Jahr auch schon zu Ende.“