In Hohenems sortiert carla Tex als einziges Vollsortierwerk Österreichs über 1.500 Tonnen Gebrauchtkleider jährlich. Was nach Ökobilanz klingt, ist auch eine Geschichte über Menschen, die herausfinden, dass sie gebraucht werden.
In der Halle von carla Tex in Hohenems bestimmen Winter- und Sommerkleider, Vorhänge, Bettwäsche das Bild. Dinge, die Vorarlberger Haushalte, nicht mehr brauchen. Geübte Hände prüfen und ordnen sie zu – in über 200 Kategorien. Rund 60 Prozent kehrt als Bekleidung in den Kreislauf zurück, sortiert im Inland. Viele die das jeden Tag tun, haben häufig einen langen Weg hinter sich, bevor sie hierher gefunden haben.
carla Tex wurde in den 1990er Jahren gegründet, als Vorarlbergs Textilindustrie zusammenbrach und Caritas, AMS und Land Vorarlberg gemeinsam nach Wegen suchten, arbeitssuchende Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen. Landesrat Mag. Marco Tittler, zuständig für Wirtschaft und Arbeitsmarkt, betont das wirtschaftspolitische Modell: Was carla auszeichne, sei die starke Verankerung vor Ort und die enge Kooperation mit heimischen Betrieben, Gemeinden und Abfallwirtschaftsverband. Es ist eine Kooperation, die eine Win-win-Situation schaffe, „für die unmittelbar Beteiligten und die gesamte Gesellschaft.“
„Durch Soziale Unternehmen wie carla Tex eröffnen sich neue Perspektiven mit Mehrfachnutzen: ökologische Kreislaufwirtschaft, sozialer Mehrwert durch Beschäftigung und regionale Wertschöpfung.“
Karoline Mätzler, Fachbereichsleitung Caritas Vorarlberg
Die Beschäftigten kommen über das AMS — mit Langzeitbeschäftigungslosigkeit als „Rucksack“, mit Gesundheitseinschränkungen, mit einem Leben, das irgendwann aus dem Takt geraten ist. Bernhard Bereuter, Landesgeschäftsführer AMS Vorarlberg, beschreibt seine Beobachtung: „Für viele Menschen eröffnen sich durch carla Tex völlig neue Perspektiven.“ Karoline Mätzler, Vorständin arbeit plus und Fachbereichsleiterin bei carla Vorarlberg, trägt diese Erfahrung als Bundessprecherin für soziale Textilwirtschaft längst über Vorarlberg hinaus: Die eingesetzten Mittel leisteten einen Mehrfachnutzen — „ökologische Leistungen für die Kreislaufwirtschaft, sozialer Mehrwert der Beschäftigung und Wertschöpfung im Inland.“
Seit dem 1. Januar 2025 ist die getrennte Textilsammlung EU-weit Pflicht. Die Mengen wachsen, die Infrastruktur für Sortierung und Wiederverwertung fehlt österreichweit. Landesrat Christian Gantner, zuständig für Kreislaufwirtschaft, hebt hervor: Das Vollsortierwerk Hohenems sei ein europaweites Best-Practice-Beispiel. Was dreißig Jahre lang als regionales Modell galt, wird nun als nationale Antwort gebraucht.

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Weitere Infos zu Carla TEX in der arbeit plus Österreich Datenbank
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