Arbeit, die Sinn macht: Happy Birthday, IAB!

„Die beruflichen Chancen und Perspektiven der uns anvertrauten Kundinnen und Kunden zu verbessern, ist ein Sinnfaden, der sich durch unsere 30-jährige Arbeit zieht und der zweifellos Sinn macht: Denn Arbeit hat etwas mit Wert und Wertigkeit zu tun und mit Würde“, betonte IAB-Vorstandsvorsitzende Maria Moser-Simmill in ihren Begrüßungsworten am 9. Oktober im Linzer Jägermayrhof. Rund 150 Gäste aus Arbeitsmarktpolitik, Wirtschaft und Sozialwirtschaft waren dort zusammengekommen, um das 30-jährige Jubiläum des Instituts für Ausbildung und Beschäftigungsberatung (IAB) zu feiern.

IAB feierte Geburtstag und rund 150 Gäste feierten mit.

Das Ziel – eine passende bedürfnisgerechte Arbeit für alle – ist in all den Jahren dasselbe geblieben. Doch Vieles, das in den 80er Jahren als experimentell galt, ist heute längst Standard in der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Drei Eckpfeiler begründen, so Moser Simmill, die erfolgreiche Arbeit des IAB: „Verlässliche und kompetente Fördergeber, eine Beratung, die die Kund*innen und deren Talente und Bedürfnisse in den Mittelpunkt stelle sowie kompetente, erfahrene und engagierte Mitarbeiter*innen.“

Breite Angebotspalette

Konkret unterstützt das gemeinnützige Beratungs-und Forschungsunternehmens am Standort in Linz und an achtzehn weiteren Standorten Menschen in Einzelberatungen und Gruppencoachings sowie in maßgeschneiderten Workshops bei allen Fragen rund um die Berufswahl und den (Wieder)Einstieg in den Arbeitsmarkt. Einen eigenen Schwerpunkt bildet die Berufsinformation für Jugendliche, etwa mit MädchenTechnikTagen für 13- bis 15-Jährige. Für öffentliche Einrichtungen bietet IAB diverse Dienstleistungen an, von der Abrechungsprüfung bis zu Sozialforschung.

Förderliche Rahmenbedingungen nötig

GF Monika Einsiedler bedankte sich bei den Kooperationspartner*innen für das Vertrauen.

Natürlich, so wurde an diesem Tag übrigens nicht nur einmal betont, brauche es dazu auch geeignete Rahmenbedingungen. Die IAB-Geschäftsführerin Monika Einsiedler und ihre  Stellvertreterin Silvia Hirschberger drückten dies so aus „Ich wünsche mir für die Zukunft, einen weiterhin so vertrauensvollen Vorstand, eine weiterhin so gute Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern und dass wir weiterhin unter guten Rahmenbedingungen arbeiten können“, „Ich wünsche mir für das IAB, dass wir weiterhin so spannende Aufträge erhalten, die uns weiterlernen lassen und dass wir weiterhin so engagierte Teams haben werden.“

Veränderungsbereit sein

Trude Hausegger: „Es gibt eine existenzielle Beschleunigung im Bereich der Digitalisierung.“

Den glanzvollen Höhepunkt bildete der Festvortrag von Trude Hausegger (prospect Unternehmensberatung) zum Thema „Arbeitslosigkeit geht unter die Haut – Ansatzpunkte mit Blick auf eine zunehmend digitalisierte Arbeitswelt.“ Nach dem Motto „Wir wissen nicht, wo es hingeht, aber es ist wichtig, dass man darauf vorbereitet ist“, plädierte sie dafür, dass die Unternehmen so rasch wie möglich die nötigen Weichen für die Zukunft stellen: „Es gibt eine existenzielle Beschleunigung im Bereich der Digitalisierung. Es reicht nicht, später zu reagieren, ich muss im Hier und Jetzt zumindest veränderungsbereit sein“, so ihr Credo.

Habe man jahrelang Menschen darauf trainiert, sich auf ihren eigenen Tätigkeitsbereich zu konzentrieren und „nicht nach rechts und links zu blicken“, so sei für die digitalisierte Arbeitswelt nun das Gegenteil erforderlich, so die Expertin. Denn: „Ein Lagerarbeiter, der sich vertippt, kann unter Umständen eine Riesenbestellung auslösen, die niemand braucht und niemand haben will.“ Um für die Digitalisierung gerüstet zu sein, brauche es persönliche und soziale Kompetenz ebenso wie Fachkenntnis und digitale Grundkompetenzen, ist Hausegger überzeugt. Es ginge darum, dass die Menschen basierend auf einem theoretischen Grundverständnis fähig seien, in unterschiedlichen Kontexten situations- und praxisbezogen Lösungen zu entwickeln.

Vor diesem Hintergrund sei es besonders wichtig, Menschen, und hier auch jugendliche „Digital Natives“, dabei zu unterstützen, ihr diesbezügliches Wissen und Können einzuschätzen und bei Bedarf entsprechend in „Digital literacy“, also der Fähigkeit zu digitaler Kommunikation und Quellenkritik, zu schulen.

Auf die Stärken konzentrieren

Was aber bedeutet eine digitalisierte Arbeitswelt für die Unterstützung von arbeitslosen Menschen? Wichtig sei, vorhandene Kompetenzen zu erkennen und realistische Weiterentwicklungsangebote bereitzustellen, den Umgang mit komplexen Situationen zu trainieren sowie nach Möglichkeit behutsam die Belastbarkeit und das Tempo der Menschen steigern. Zudem sei es notwendig, so Hausegger, einen „roten Faden“ im Berufsleben herauszuarbeiten und sich auf die Stärken, nicht auf etwaige Lücken im Lebenslauf zu konzentrieren.

„Perfektionismus tötet Innovation“

Auch die Selbstwirksamkeit („Ich bekomme die richtigen Aufgaben und kann sie lösen“, müsse gestärkt werden, ginge dieses Vertrauen bei arbeitslosen Menschen doch mit zunehmender Arbeitslosigkeit verloren. Wann immer möglich sollten Berater*innen Menschen unter intensiver Nutzung und Anwendung digitaler Werkzeuge und Tools begleiten, damit arbeitsmarktferne Personen hier nicht komplett den Anschluss verpassten und sich digitale Kompetenzen „im Tun“ aneignen können. Unter dem Schlagwort „good enough, not perfect“ sollten zudem die Menschen lernen, nicht alles hundertprozentig, aber zur Zufriedenheit zu erledigen. Denn: „Man muss sich in der neuen Arbeitswelt vom Perfektionismus verabschieden. Perfektionismus macht langsam, tötet jede Innovation.“

Glückwünsche zum Geburtstag

Steffi Mittermayr sorgte für klangvolle Stimmung.

Zahlreiche Ehrengäste, darunter die Stv. AMS-Landesgeschäftführerin Iris Schmidt, Soziallandesrätin Birgit  Gerstorfer,  die Leiterin der AMS-Förderabteilung Maria Brunner und Thomas Czechtizky vom Sozialministerium Service, gratulierten dem IAB zum Geburtstag und wünschten dem IAB alles Gute für die Zukunft. Einen besonderen Wunsch hatte der IAB-Mitarbeiter Peter Obermair parat: „Ich wünsche mir, dass bei unserer 40-Jahre-Feier dann alle wieder da sind und dass es dann wieder eine so gute Musik gibt“, streute er der Jazzsängerin Steffi Mittermayr Rosen.