Buchtipp: Working Pur – Reportagen aus der Arbeitswelt 4.0

Veronika M. ist Anfang Vierzig. Sie würde lieber mitten im Leben stehen und nicht am Rand. Früher galt sie als anerkannte PR-Agentin,  war bekannt für ihre Kompetenz, ihre Zuverlässigkeit, ihre Hartnäckigkeit. Das Gefühl, nicht mehr zu können, ignorierte sie so lange, bis sie komplett zusammenbrach. „Ich möchte mich“, sagt sie, „wieder einmal richtig freuen können.“ Hans Garstenauers ist einer der krisenerprobtesten Personalmanager des Landes. Sein Job ist es, die Belegschaft einer vormaligen Erfolgsbank bis zu ihrem letzten Arbeitstag zu lotsen. Am Ende muss er selbst von Bord gehen. Die Alleinerzieherin und selbstständige „geprüfte Wiener  Fremdenführerin“ Bibiane Krapfenbauer vermag keine auch nur ungefähre Wochenarbeitszeit anzugeben, die wolle sie auch gar nicht so genau wissen. Dass sie – zumindest in der Hochsaison – keine freien Tage hat, das weiss sie hingegen ganz genau. Weil sie „so gut wie immer positives Feedback bekäme“, strahlt sie trotzdem Begeisterung für ihren Beruf aus.

16 Arbeitsplätze, 16 Menschen, 16 Kommentare

Das Autorentrio (v.l.)  Zauner, Mauch und Freitag mit Manfred Arthaber  von der Fachbuchhandlung des ÖGB- Verlags (2.v.r.).

Drei Leben von 16 Leben in der modernen Arbeitswelt: Die Journalisten Uwe Mauch (Kurier, „Arbeit 4.0 ist insgesamt nicht lustiger“), Wolfgang Freitag (Die Presse) und Franz Zauner (Wiener Zeitung, „Ich war gerne Teil dieser boygroup“) haben sich für ihr Buch „Working pur – Reportagen aus der Arbeitswelt“ von ihren Schreibtischen entfernt, um sich in ihr umzusehen. Sie haben 16 Menschen in 16 unterschiedlichen Branchen an deren Arbeitsplätzen aufgesucht. In klassischer Reportermanier beschreibt das Autorentrio die konkret geleistete Arbeit, aber auch konkrete Hoffnungen und Sorgen, die damit verbunden sind.

Das Spektrum ihrer „Working Heroes“ reicht dabei vom 24-Stunden-Betreuer aus der Slowakei, der unter prekären Verhältnissen lebenden, hochqualifizierten Pollenforscherin sowie dem nicht zur Ruhe kommenden AMS-Mitarbeiter bis zum völlig überforderten Polier auf einer Baustelle. Jede der 16 Reportagen wird durch eine Expertise ergänzt. Brancheninsider beschreiben den Status Quo in den einzelnen Berufsfeldern, fokussieren auf die Problemzonen und lassen dabei den menschlichen Faktor nicht außer Acht.

Auch arbeit plus-Geschäftsführerin Judith Pühringer kommt in dem Buch zu Wort: Langzeitarbeitslosigkeit lasse viele Menschen verzweifeln, weil sie die Schuld vor allem bei sich suchten, während eigentlich vor allem strukturelle Gründe verantwortlich seien. Soziale Unternehmen reichten den Betroffenen in dieser Situation die Hand, indem sie echte Arbeit mit echten Aufträgen und kollektivvertraglicher Bezahlung anböten, sagt sie im Interview.

Das Buch ist ein Muss für alle, die jenseits von Gesetzestexten, abstrakten theoretischen Abhandlungen und politischer Rhetorik informiert sein möchten.
Service:
Working pur – Reportagen aus der Arbeitswelt von Mauch Uwe, Freitag Wolfgang, Zauner Franz
264 Seiten, erschienen 2018 im ÖGB Verlag, ISBN 978-3-99046-308-6