Arbeitsmarkt Österreich: Verfestigte Arbeitslosigkeit, Teilzeit und Arbeiten bis zur Pension

25. August 2026

Ein Erwerbsleben verläuft selten geradlinig. Teilzeit verkürzt es, verfestigte Arbeitslosigkeit unterbricht es, und ab 60 endet es für viele früher als geplant. Der AK Arbeitsmarktmonitor 2025 liefert dazu den europäischen Rahmen, die aktuellen Zahlen für Österreich kommen von AMS und Statistik Austria.

Verfestigte Arbeitslosigkeit: Was Langzeitbeschäftigungslosigkeit sichtbar macht

Der AK Arbeitsmarktmonitor 2025 weist für Österreich eine Langzeitarbeitslosigkeit von 21,5 Prozent aus, der EU-Durchschnitt liegt bei 32,5 Prozent. Diese Kennzahl erfasst Menschen, die durchgehend länger als ein Jahr ohne Arbeit sind.

Die Langzeitbeschäftigungslosigkeit macht die Verfestigung der Arbeitslosigkeit sichtbar. Als langzeitbeschäftigungslos gelten Menschen, die länger als ein Jahr beim AMS vorgemerkt sind, wobei in diesem Zeitraum absolvierte Schulungen und kurze Beschäftigungsverhältnisse mitgerechnet werden. Sie zeigt, wie viele Menschen dauerhaft keinen Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Im Monitor wird sie nicht ausgewiesen.

Über 100.000 Menschen: Die Entwicklung seit 2023

Im Jahresschnitt 2023 waren 74.970 Personen langzeitbeschäftigungslos arbeitslos, das entsprach 28 Prozent aller Arbeitslosen. 2024 stieg die Zahl auf 82.461, 2025 auf 92.866. Im Juli 2026 waren es 102.103 Menschen und damit 34 Prozent aller Arbeitslosen.

Österreich hat dieser Entwicklung traditionell mit einer im EU-Vergleich starken aktiven Arbeitsmarktpolitik gegengehalten. 2023 investierte Österreich dafür 0,567 Prozent des BIP, im EU-Schnitt waren es 0,399 Prozent. Im Doppelbudget 2027/2028 sinkt dieses Budget 2028 auf 1,51 Milliarden Euro.

Teilzeit und Care-Arbeit: Warum Österreichs Arbeitszeit im Schlussfeld liegt

Österreich erreicht eine Beschäftigungsquote von 74,1 Prozent und liegt damit auf Rang 11 der EU. Diese Quote zählt jede erwerbstätige Person gleich, unabhängig von der vereinbarten Wochenstundenzahl. Die Beschäftigungsquote in Vollzeitäquivalenten liegt bei 63,8 Prozent und damit auf Rang 22 im Schlussfeld. Bei der arbeitszeitbereinigten Beschäftigungsquote kommen Frauen auf 55,3 Prozent, Männer auf 73,2 Prozent. Diese Differenz von 17,9 Prozentpunkten ist die dritthöchste in der EU.

Den Grund benennt der Monitor: 10,4 Prozent aller Beschäftigten in Österreich arbeiten aufgrund von Betreuungspflichten Teilzeit, bei den Frauen sind es 20,8 Prozent. Im EU-Schnitt liegen die Werte bei 3,8 und 7,5 Prozent. Gezählt wird die Betreuung von Kindern ebenso wie von pflegebedürftigen Angehörigen.

Vollzeitstellen wären vorhanden. Teilzeit mangels einer Vollzeitstelle betrifft in Österreich 2,0 Prozent der Beschäftigten, im EU-Schnitt sind es 3,2 Prozent. Was fehlt, ist die Betreuungsinfrastruktur: Nur 10,9 Prozent der unter Dreijährigen werden ganztägig betreut, im EU-Schnitt sind es 24,8 Prozent.

Wer weniger Wochenstunden arbeitet, verdient weniger, erwirbt weniger Pension, kommt seltener in Führungspositionen und trägt ein höheres Armutsrisiko.

Arbeiten bis zur Pension: Die Erwerbsbeteiligung ab 60

Bei der Erwerbstätigkeit der 55- bis 64-Jährigen weist der Monitor für Österreich 58,8 Prozent aus, der EU-Schnitt beträgt 65,2 Prozent. Die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen liegt zuletzt bei 40,2 Prozent, bei den Männern bei 48,3 Prozent, bei den Frauen bei 32,2 Prozent. Drei Jahre davor lag die Quote der Frauen dieser Altersgruppe noch bei 18,7 Prozent. Grund für den Anstieg ist die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters von Frauen seit Anfang 2024. Die Bundesregierung will den Anteil der Beschäftigten über 60 Jahren bis 2027 von derzeit 5,2 auf 6,1 Prozent erhöhen.

Über 60 zu sein und Arbeit zu suchen bedeutet in Österreich meist, sie über ein Jahr lang zu suchen. 55 Prozent der arbeitslos vorgemerkten Personen ab 60 sind langzeitbeschäftigungslos, über alle Altersgruppen sind es 34 Prozent.

Diese Jahre fehlen später auf dem Pensionskonto. Wer sie arbeitslos verbringt, erwirbt kaum Ansprüche und geht mit einer entsprechend geringen Pension in den Ruhestand. Im heurigen Budgetprozess hat sich das noch verschärft, denn für Bezieher:innen von Notstandshilfe wird nun weniger in die Pensionsversicherung eingezahlt. Aus verfestigter Arbeitslosigkeit wird Altersarmut.

Ein späteres Pensionsantrittsalter allein schafft noch keine Arbeitsplätze. Es verlängert aktuell nur die Zeit, die Menschen ohne Arbeit überbrücken müssen.

Was jetzt zählt

Kompetenz und Erfahrung müssen unabhängig vom Alter zählen. Es braucht Arbeitsplätze, die neben Betreuungsverantwortung Bestand haben, und Arbeitsplätze, die bis zum Pensionsantritt Bestand haben.

Es sind Soziale Unternehmen, die diese Arbeitsplätze für viele Menschen bereitstellen. In Betrieben mit Aufträgen, Kundinnen und Kunden und Kollektivvertrag, mit aktuellen Qualifikationen und mit dem Übergang aus einer Anstellung in die Pension.

Weil sich Verantwortung rechnet.

Was misst der AK Arbeitsmarktmonitor 2025?

Der Arbeitsmarktmonitor der AK Wien erscheint jährlich und wird vom WIFO aufbereitet. Er vergleicht die Arbeitsmarktsituation und die Wirkung der Arbeitsmarktpolitik in den 27 EU-Ländern und bündelt 55 Indikatoren in fünf Bereiche: allgemeine Leistungskraft des Arbeitsmarkts, Erwerbsteilnahme unterschiedlicher Personengruppen, Ausgrenzungsrisiken, Verteilung des Erwerbseinkommens und Umverteilung durch den Sozialstaat. Jedes Land erhält je Bereich einen Wert zwischen 1 und 10, daraus entstehen vier annähernd gleich große Ländergruppen von Spitzenfeld bis Schlussfeld. Die aktuelle Ausgabe stützt sich auf Daten aus den Jahren 2023 und 2024.

Der AK Arbeitsmarktmonitor 2025 ist abrufbar auf der Website der Arbeiterkammer Wien.

Quellen
AK Arbeitsmarktmonitor 2025, Berechnungen WIFO, abrufbar unter wifo.ac.at. Statistik Austria, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 1. Quartal 2026. AMS-Daten Juli 2026, Auswertung arbeit plus.

Illustration eines Wartebereichs beim AMS mit drei sitzenden Menschen, die Unterlagen in Händen halten. Links eine Tür mit einem Schild mit der Aufschrift JOB, an der Wand eine Uhr und drei leere Bilderrahmen.