Langzeitbeschäftigungslosigkeit: Entwicklung von 2007 bis 2016

Langzeitbeschäftigungslosigkeit: Verdreifachung während der Wirtschaftskrise

In der Vergangenheit verfolgte das AMS Österreich jahrelang das Ziel, das Risiko arbeitslos zu werden möglichst gleich zu verteilen. Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik sollten dazu beitragen, die Verfestigung von Arbeitslosigkeit zu verhindern und den Arbeitsmarkt in Bewegung zu halten. Denn lange andauernde Arbeitslosigkeit führt nicht nur zu Armut und Ausgrenzung, sondern entwertet auch die Qualifikationen und Berufserfahrungen der betroffenen Menschen. Dadurch wird langzeitbeschäftigungslosen Menschen der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt selbst bei einer besseren Wirtschaftslage erschwert.

Doch während der Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre kam es zu einem deutlichen Anstieg der Langzeitbeschäftigungslosigkeit. Waren im Jahr 2008 nur rund 34.500 Menschen langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose, so waren im Jahr 2016 bereits 121.800 Personen von lange andauernder Arbeitslosigkeit betroffen. Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Menschen hat sich damit innerhalb von nur acht Jahren mehr als verdreifacht.

Auch innerhalb des letzten Jahres ist die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen in fast allen Bundesländern weiter angestiegen. Nur in Vorarlberg konnte 2016 ein Rückgang von rund 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet werden.

Immer mehr Menschen werden vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen

Ein Teil dieses Anstiegs in absoluten Zahlen ist natürlich damit zu erklären, dass sie Arbeitslosigkeit generell gestiegen ist und daher auch die Gruppe der langzeitbeschäftigungslosen Personen gewachsen ist. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass es in den letzten Jahren tatsächlich zu einer deutlichen Verfestigung von Arbeitslosigkeit gekommen ist: War im Jahr 2009 in Österreich nur jeder siebente beim AMS vorgemerkte Arbeitslose langzeitbeschäftigungslos, so trifft dies 2016 bereits auf mehr als jeden dritten Arbeitslosen zu. Damit ist ein immer größerer Teil der österreichischen Bevölkerung dauerhaft aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen. Für sie wird es mit der zunehmenden Dauer der Arbeitslosigkeit auch immer schwieriger eine neue Erwerbstätigkeit zu finden.

Vor allem Ältere, gering Qualifizierte sowie Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen betroffen

Nicht alle Menschen tragen das gleiche Risiko langzeitbeschäftigungslos zu werden. Arbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene finden in den meisten Fällen schnell wieder einen neuen Arbeitsplatz. Auch gut ausgebildete und gesunde Menschen finden in der Regel schnell wieder aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Im Gegensatz dazu sind ältere Menschen, sowie Personen mit gesundheitlichen Problemen oder mit geringer formaler Ausbildung (höchstens Pflichtschulabschluss) überdurchschnittlich oft von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen. Auf viele langzeitbeschäftigungslose Menschen treffen wohl mehrere dieser Risikofaktoren gleichzeitig zu. Sie werden es auch bei anziehender Wirtschaft schwer haben, eine stabile Beschäftigung zu finden.

Offenbar ist es der österreichischen Arbeitsmarktpolitik angesichts der seit mehreren Jahren steigender Arbeitslosigkeit und nicht analog gewachsener Budgets immer weniger gelungen, der Verfestigung von Arbeitslosigkeit entgegen zu wirken. Das über lange Zeit vom Arbeitsmarktservice formulierte Ziel „die Arbeitslosigkeit möglichst gleich zu verteilen“ rückt damit in weite Ferne.