Lexikon

Was genau ist eigentlich experimentelle Arbeitsmarktpolitik, Langzeitbeschäftigungslosigkeit oder die Aktion 8000? In diesem Bereich finden Sie Definitionen zu wichtigen Begriffen rund um Sozialwirtschaft und Arbeitsmarktpolitik in Österreich.

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Aktivierende Arbeitsmarktpolitik

Für die aktivierende Arbeitsmarktpolitik steht nicht der Mangel an (geeigneten und existenzsichernden) Arbeitsplätzen im Zentrum, sondern die angeblich fehlende Arbeitsbereitschaft der betroffenen Menschen. Diese Sichtweise führe in den vergangenen Jahrzehnten zu einer stetigen Erhöhung des Drucks auf arbeitslose Menschen. Der Zugang zu Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung wurde erschwert, Sanktionsmöglichkeiten wie die Sperre des Arbeitslosengeldes ausgebaut und die Zumutbarkeitsbestimmungen für die Vermittlung zu einem neuen Arbeitsplatz verschärft. [Weiterlesen]

 

Arbeitslosigkeit

Für die österreichische Arbeitslosen-Statistik gelten jene Personen als arbeitslos, die zum Monatsende-Stichtag bei den Geschäftsstellen des Arbeitsmarktservice als arbeitssuchend gemeldet waren und nicht in Beschäftigung oder Ausbildung (Schulung) stehen. Im Gegensatz dazu beruht die vom Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) erhobene Arbeitslosenquote auf Umfragedaten des Mikrozensus. [Weiterlesen]

 

Arbeitsmarktferne Personen

Der Begriff „arbeitsmarktferne Personen“ ist eine im Jahr 2012 eingeführte Zielgruppen-Definition des Arbeitsmarktservice (AMS) für jene Menschen, die im vergangenen Jahr keine oder nur instabile Beschäftigungsverhältnisse vorzuweisen hatten. Die Teilnahme an Schulungen des AMS spielt bei der Berechnung keine Rolle. [Weiterlesen]

 

Beratungs- und Betreuungseinrichtungen (BBE)

Arbeitsmarktbezogene Beratungs- und Betreuungseinrichtungen (BBE) bieten individuelle und maßgeschneiderte Leistungen für Menschen, die aufgrund verschiedenster Probleme keinen Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Sie unterstützen mit ihrem spezifischen Wissen die Arbeit des AMS und versuchen ihre KlientInnen bei der Bewältigung von Problemen zu unterstützen. [Weiterlesen]

 

Beschäftigungsgesellschaften (BG)

Beschäftigungsgesellschaften (BG) sind Soziale Integrationsunternehmen, die zeitlich befristete und relativ geschützte Arbeitsplätze für arbeitsmarktferne Menschen zur Verfügung stellen. Diese sogenannten Transitarbeitsplätze sind für Menschen gedacht, die aus verschiedensten Gründen schon lange arbeitslos sind und sollen ihnen helfen wieder eine ungeförderte Beschäftigung zu finden. Beschäftigungsgesellschaften sind eine Sonderform von gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten, die nur in der Steiermark existieren. [Weiterlesen]

 

Dritter Arbeitsmarkt

Der sogenannte „Dritte Arbeitsmarkt“ oder „Ersatzarbeitsmarkt“ bietet mit Hilfe staatlicher Förderungen dauerhaft geförderte Arbeitsplätze und somit einen geschützten Bereich für jene Menschen, die am regulären Arbeitsmarkt keine Chance auf Beschäftigung haben. Die geschützten Werkstätten für Menschen mit Behinderungen sind ein Beispiel für diesen Bereich.

 

Erster Arbeitsmarkt

Als „Erster Arbeitsmarkt“ oder „regulärer Arbeitsmarkt“ wird jener Bereich bezeichnet, in dem sich auf Grundlage der Marktwirtschaft ArbeitnehmerInnen und Wirtschaftsunternehmen (oder öffentliche Einrichtungen) als VertragspartnerInnen gegenüber stehen. Auch im Ersten Arbeitsmarkt unterstützt die aktive Arbeitsmarktpolitik zum Beispiel mit der Eingliederungsbeihilfe die Beschäftigung von früher arbeitslosen Menschen.

 

Experimentelle Arbeitsmarktpolitik und die Aktion 8000

Um auf den deutlichen Anstieg der Arbeitslosenrate ab dem Jahr 1981 zu reagieren entwickelte der damalige Sozialminister Alfred Dallinger ab 1983 unter dem Titel „experimentelle Arbeitsmarktpolitik“ viele neue arbeitsmarktpolitische Maßnahmen mit denen langzeitarbeitslose Menschen beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt werden sollten. Diese Maßnahmen ermöglichten erst die Entwicklung vieler heute bei arbeit plus vernetzten Sozialen Unternehmen. [Weiterlesen]

 

Gemeinnützige Arbeitskräfteüberlassung

Eine Gemeinnützige Arbeitsüberlassung (GAKÜ bzw. SÖBÜ) ist eine Dienstleistungseinrichtung, die Personen anstellt, die aus unterschiedlichsten Gründen den Anschluss an den Ersten Arbeitsmarkt verloren haben. Diese Personen werden zunächst zeitlich begrenzt an Firmen verliehen. Das Ziel von gemeinnützigen Personalüberlassern ist, dass die betreffenden ArbeitnehmerInnen in ein reguläres Dienstverhältnis übernommen werden.

 

Gemeinnützige Beschäftigungsprojekte (GBP)

Ein gemeinnütziges Beschäftigungsprojekt (GBP) ist ein unter anderem vom Arbeitsmarktservice (AMS) gefördertes Soziales Integrationsunternehmen, das zeitlich befristete und relativ geschützte Arbeitsplätze für arbeitsmarktferne Menschen zur Verfügung stellt. Diese sogenannten Transitarbeitsplätze sind für Menschen gedacht, die aus verschiedensten Gründen schon lange arbeitslos sind und sollen ihnen helfen wieder eine ungeförderte Beschäftigung zu finden. [Weiterlesen]

 

Kombilohn

Beim Kombilohn werden (niedrige) Arbeitslöhne durch staatliche Transferleistungen bis zu ein Jahr lang aufgestockt. Es handelt sich dabei also um ein beschäftigungspolitisches Instrument, das Arbeitslosigkeit verringern soll, indem zusätzliche Arbeitsplätze im Niedriglohnbereich geschaffen werden. Vor allem jene Menschen, die es beispielsweise aufgrund fehlender oder geringer Qualifikationen schwer haben, einen Job zu finden, sollen auf diese Weise wieder eine Arbeit finden. Die staatliche Förderung geht dabei an die ArbeitnehmerInnen, nicht an die ArbeitgeberInnen.

 

Langzeitarbeitslosigkeit

In Österreich gelten jene Menschen als langzeitarbeitslos, die mehr als 365 Tage durchgehend beim Arbeitsmarktservice arbeitlos gemeldet waren. Unterbrechungen der Vormerkung bis zu maximal 28 Tagen – wie zum Beispiel durch Schulungen. Krankenstand oder kurze Phasen der Erwerbstätigkeit – werden dabei nicht berücksichtigt. Erst bei einer längeren Unterbrechung wird die Zählung für die Dauer der Arbeitslosigkeit neu begonnen. [Weiterlesen]

 

Langzeitbeschäftigungslosigkeit

Als langzeitbeschäftigungslos gelten Menschen, die zumindest zwölf Monate beim AMS als arbeitslos gemeldet waren. Kurse oder kurze Phasen der Erwerbstätigkeit unterbrechen diese Meldung nicht. Erst wenn jemand länger als 62 Tage nicht mehr beim AMS als Arbeit suchend gemeldet ist, gilt die Langzeitbeschäftigungslosigkeit als beendet. [Weiterlesen]

 

Richtlinien

Die bei arbeit plus vernetzten Sozialen Unternehmen sind ein wichtiger Bestandteil der aktiven Arbeitsmarktpolitik in Österreich und arbeiten auf der Grundlage verschiedener Richtlinien des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS). Die wichtigsten Richtlinien können Sie hier herunterladen. [Weiterlesen]

 

SchlüsselmitarbeiterInnen

SchlüsselmitarbeiterInnen sind qualifizierte Führungs- und Fachkräfte in Sozialen Unternehmen. Sie sind für die Ausbildung und Anleitung der TransitmitarbeiterInnen zuständig oder betreuen diese in sozialarbeiterischer Hinsicht. Gemeinsam mit den Betroffenen setzen die SchlüsselmitarbeiterInnen alles daran, dass die TransitmitarbeiterInnen ihre beruflichen Fähigkeiten erweitern, um wieder einen langfristigen Job zu finden.

 

Soziale Integrationsunternehmen (SIU)

Die Bezeichnung “Soziale Integrationsunternehmen (SIU)” ist ein Überbegriff für gemeinnützige Unternehmen, die arbeitsmarktferne Menschen beschäftigen, qualifizieren und umfassend betreuen um sie so beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Unter dem Begriff werden sowohl sozialökonomische Betriebe (SÖB), als auch gemeinnützige Beschäftigungsprojekte (GBP) und Beschäftigungsgesellschaften (BG) zusammengefasst. [Weiterlesen]

 

Soziale Unternehmen

Alle bei arbeit plus vernetzten Sozialen Unternehmen erzeugen Produkte und bieten Dienstleistungen an, die sich am freien Markt bewähren. In einem wichtigen Punkt unterscheiden sie sich jedoch von anderen Unternehmen: sie beschäftigen und beraten Menschen die schon lange Zeit arbeitslos sind und unterstützen diese bei ihrem (Wieder-) Einstieg in den Arbeitsmarkt. Sie verfolgen damit wirtschaftliche, soziale und arbeitsmarktpolitische Ziele in gleichem Ausmaß. [Weiterlesen]

 

Sozialintegrative Unternehmen

Unter dem Begriff Sozialintegrative Unternehmen werden Unternehmen verstanden, die langzeitarbeitslosen und arbeitsmarktfernen Menschen durch Beratung oder Beschäftigung helfen Schritt für Schritt wieder im Erwerbsleben Fuß zu fassen. Zu diesen Unternehmen zählen (im Gegensatz zu der etwas engeren Bezeichnung Soziale Integrationsunternehmen) nicht nur sozialökonomische Betriebe (SÖB), gemeinnützige Beschäftigungsprojekte (GBP) und Beschäftigungsgesellschaften (BG), sondern auch Beratungs- und Betreuungseinrichtungen (BBE). [Weiterlesen]

 

Sozialökonomische Betriebe (SÖB)

Ein sozialökonomischer Betrieb (SÖB) ist ein unter anderem vom Arbeitsmarktservice (AMS) gefördertes Soziales Integrationsunternehmen, das zeitlich befristete Arbeitsplätze für arbeitsmarktferne Menschen zur Verfügung stellt. Diese sogenannten Transitarbeitsplätze sind für Menschen gedacht, die aus verschiedensten Gründen schon lange arbeitslos sind und sollen ihnen helfen wieder eine ungeförderte Beschäftigung zu finden. [Weiterlesen]

 

TransitmitarbeiterInnen

Bei so genannten „TransitmitarbeiterInnen“ handelt es sich um arbeitsmarktferne Personen, die aus verschiedensten Gründen schon lange keine Arbeit haben. Sie sollen durch befristete Arbeitsplätze in sozialen Integrationsunternehmen – sogenannten „Transitarbeitsplätzen“ – die Chance erhalten, wieder eine ungeförderte Beschäftigung zu finden. [Weiterlesen]

 

Zweiter Arbeitsmarkt

Im Gegensatz zum ungeförderten, ersten Arbeitsmarkt besteht der zweite Arbeitsmarkt aus Arbeitsplätzen, die mit Hilfe von staatlichen Förderungen aus der aktiven Arbeitsmarktpolitik geschaffen werden. Diese Arbeitsplätze sind zeitlich befristet und sollen arbeitsmarktferne Menschen beschäftigen sowie schrittweise auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt vorbereiten. [Weiterlesen]