Vor den Vorhang: Ältere Arbeitssuchende transportieren mit „BIS Mobil“ Personen mit Einschränkungen

Das Bildungszentrum Salzkammergut (BIS) will mit dem „BIS Mobil“ zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Älteren Arbeitssuchenden eine Verdienst- und Senioren eine günstige Transportmöglichkeit bieten. Kürzlich wurde BIS Mobil mit dem VCÖ-Mobilitätspreis in der Kategorie „Barrierefreiheit und sozial gerechte Mobilität“ ausgezeichnet.*

Steigende Kosten für den öffentlichen Verkehr, unrentable Buslinien und knappe Gemeindebudgets verhindern in ländlichen Gebieten oft eine Ausweitung der öffentlichen Personentransporte. So manche Gemeinde ist zudem von Überalterung betroffen, weil viele Jüngere in wirtschaftlich interessantere Gebiete abwandern – dadurch wird für viele ältere Menschen der Gang zum Arzt, der Behördentermin oder ein Kirchenbesuch zur Hürde. Familie und Freunde müssen um Unterstützung ersucht werden, die Folge: Unternehmungen werden zum Spießrutenlauf und Erledigungen müssen langfristig im Voraus geplant werden.

Eine echte Win-win-Situation: Mit dem BIS Mobi erhalten ältere Arbeitssuchende die Chance auf eine Arbeit und Senior*innen die Chance auf eine günstige Transportmöglichkeit.

Sinnvolle Alternative zur Arbeitslosigkeit

Das Beschäftigungsangebot des BIS versucht auf diese Probleme zu reagieren – mittels eines gemeinnützigen Transportdienstes. Gemeinsam mit dem Sozialministerium hatte man im BIS überlegt, welche Tätigkeiten Langzeitarbeitslose im höheren Alter noch machen könnten. Schnell kristallisierte sich das Autofahren heraus. Im  September erhielt BIS Mobil des Bildungszentrums Salzkammergut (BIS) den VCÖ-Mobilitätspreis in der Kategorie „Barrierefreiheit und sozial gerechte Mobilität“. Bei Österreichs größtem Wettbewerb für klimaverträgliche Mobilität, der vom VCÖ in Kooperation mit dem Verkehrsministerium, dem Umweltministerium und den ÖBB durchgeführt wird, wurden heuer 377 Projekte und Konzepte eingereicht. Das sind so viele wie noch nie zuvor.

Die Besonderheit der „BIS mobil“-Idee erklärt die Projektverantwortliche Claudia Loidl: „Bis zu zwölf ältere Arbeitsuchende, die kurz vor der Pensionierung stehen, lenken als Fahrer und Telefondienst den Betrieb und überbrücken so die Zeit bis zum nahen Pensionsantritt mit einer gesellschaftlich und kommunal wichtigen Arbeit.“ Sie befördern ihre Fahrgäste und koordinieren die Fahrten.

Neue Chance für ältere Erwerbslose

Dass es für ältere Arbeitslose immer schwieriger wird, wieder zu einer Beschäftigung zu gelangen, ist kein Geheimnis. Das zeigen unter anderem die monatlichen AMS-Daten zur Arbeitsmarktentwicklung. Während die Arbeitslosenzahl in den letzten Monaten generell leicht zurückging, erhöhte sich gleichzeitig die Zahl der älteren Erwerbslosen. „Ein Projektteilnehmer hat zum Beispiel 700 (!) Bewerbungen geschrieben und keinen Job bekommen“, so Loidl.

Das „BIS mobil“ bedeutet für die Projektteilnehmer, dass sie wieder Sozialversicherungsbeiträge einzahlen können und nicht mehr auf AMS-Gelder angewiesen sind. Am Montag dieser Woche haben neun Personen ihren Dienst angetreten, im Februar und März werden zwei weitere zum Team dazustoßen.

Kostengünstige Fahrten

Die Fahrten erfolgen an allen sieben Tagen der Woche, von 7 Uhr früh bis 20 Uhr. Erste Einsatzorte sind zunächst Traunkirchen und Ebensee. Gefahren wird kostengünstig mit drei besonders klimafreundlich und umweltschonenden Fahrzeugen (ein „Neunsitzer“-Bus und zwei geräumige Pkw). Das Transportangebot richtet sich insbesondere an Senioren, Personen mit körperlichen Einschränkungen oder Familien mit Kleinkindern ohne Führerschein oder Fahrzeug und sieht sich nicht als Ersatz für herkömmliche Transportdienste (Taxi, öffentliche Busse/Züge), sondern als Ergänzung zu bestehenden Angeboten. So hilft ein Attnanger Taxiunternehmen, die Dispositionszentral in Ebensee aufzubauen und die digitalen Voraussetzungen für den Betrieb zu schaffen.

Mit wenigen Euro durchs Gemeindegebiet

Das „BIS mobil“ verkehrt ausschließlich im Nahverkehr und steht auch nicht Nachtschwärmern oder Personen, denen die Nutzung klassischer Transportmittel zumutbar ist, zur Verfügung. Der Transport erfolgt nur nach telefonischer Voranmeldung. Versuche, ein vorbeifahrendes „BIS mobil“-Fahrzeug anzuhalten, sind daher sinnlos.Die Fahrtkosten orientieren sich an Zonen. Die Fahrt in der „Kernzone“ (Gemeindegebiet) kostet 4,50 Euro, bzw. 2,50 Euro für Senior*innen und Personen mit eingeschränkter Mobilität. pro Fahrt). Telefonisch ist das „BIS mobil“ unter 06133/ 21717 erreichbar.

*Dieser Artikel ist am 17.1. 2017 bei Tips Gmunden erschienen und wurde von uns aktualisiert.  Wir danken dem Autor und Redaktion Tips Gmunden für die freundliche Veröffentlichungsgenehmigung.