Das war die erste Tagung der Fachschlüsselkräfte!

„Ein Sozialökonomisches Unternehmen lebt von Euch, von Eurem Engagement und von Eurem Auftrag, ein Schlüssel für die Menschen zu sein, kräftig zu sein“: Mit diesen Worten eröffnet Peter Ruhmannseder, Geschäftsführer der Plattform Salzburg und Vorstand des Bundesdachverbandes für Soziale Unternehmen (bdv austria) die erste Tagung der Fachschlüsselkräfte.

Rund 100 Fachschlüsselkräfte aus gemeinnützigen, arbeitsmarktintegrativen Sozialen Unternehmen sind von 15. bis 16. Oktober aus ganz Österreich ins Wyndham Grand nach Salzburg gekommen. Unter dem Titel: „Im Spannungsfeld von Auftrag, Ressourcen und Bedürfnissen“ setzen sie sich zwei Halbtage lang mit ihren Wünschen und Sorgen, den Herausforderungen und Erfolgen und nicht zuletzt den verschiedenen Rollen auseinander, die ihr Berufsbild mit sich bringt. Und sie füllen den Raum dabei mit jeder Menge Energie und Kreativität.

Seelentröster oder „Mädchen für alles“

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Der Austausch mit Gleichgesinnten gibt Kraft und macht Spaß.

Eigentlich ist es die Hauptaufgabe von Fachschlüsselkräften, arbeitsmarktfernen Personen das geeignete fachliche Rüstzeug für den Wiedereinstieg ins Berufsleben mit auf den Weg zu geben – ob in der Gastronomie, in der Tischlereiwerkstatt oder auch im Einzelhandel. Um die Menschen bestmöglich begleiten zu können, brauchen sie aber auch besonders ausgeprägte soziale Kenntnisse und Fähigkeiten – und eine dicke Haut obendrein: Denn es ist alles andere als einfach, die Ansprüche der KundInnen, die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen, die Erwartungen des Fördergebers und jene der Unternehmensleitung unter einen Hut zu bringen.

Das wird auch auf der Tagung rasch sichtbar, als die TeilnehmerInnen sich unter der Leitung von Supervisorin Friederike Roithmeier-Ebner mit ihrem Berufsbild auseinandersetzen. Flipchart Nummer 1 („Mein persönliches Bild von dem, was ich als Fachschlüsselkraft bin“) regt zu vielfältigen Assoziationen an: „Mädchen für alles“, „Schiedsrichter“, „Seelentröster“, „Fels in der Brandung“ oder auch „Orakel“ ist am Ende des interaktiven Vormittagsblocks dort zu lesen. Flipchart Nummer 4 („Innovationen, Visionen, Zukunftsszenarien“) mutiert rasch zum Wunschzettel: „mehr Personalressourcen“, „weniger Abhängigkeit vom Fördergeber“ und „längere Förderverträge“ heißt es darauf. Lebhafte Diskussionen gibt es auch rund ums Flipchart zum Thema „Persönliche Erfolgserlebnisse“: „Humor bei der Arbeit“, meint etwa eine Tiroler Fachschlüsselkraft. Und: „Wenn es ehemaligen Mitarbeitern gut geht und wenn Mitarbeiter von Kunden gelobt werden.“

Nach der Präsentation der Ergebnisse zieht Roithmeier-Ebner eine sehr persönliche Bilanz: „Es scheint Sinn zu machen, den Treibsand permanent wegzuschaufeln, denn es geht um die Menschen. Das finde ich sehr schön“, sagt sie zum Abschluss des ersten Themenblocks.

Doch wie reagieren, wenn es im beruflichen Alltag eng wird und die Anforderungen übermächtig werden? Wertvolle Antworten darauf gab die bekannte Psychotherapeutin und erfahrene Supervisorin Rotraud A. Perner in ihrem Gastvortrag (siehe eigenen Beitrag).

Unterstützung für „Tobias“

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Fachschlüsselkraft „Tobias“ in Not: Amüsantes Theater mit ernstem Hintergrund

Am nächsten Tag bringt der Salzburger Theaterpädagoge Markus Hopf die TeilnehmerInnen zunächst gleich einmal in Bewegung: „So viele Hände schütteln wie möglich“ lautet seine, mit großem Hallo umgesetzte Aufforderung.

Danach spielt „Tobias“ die Hauptrolle: Er ist in den besten Jahren, Schlüsselkraft in einem Sozialökonomischen Betrieb – und am Ende seiner Kräfte: Ein Kunde beflegelt ihn am Telefon wegen einer missglückten Übersiedelung, sein Chef bringt ihn wegen eines Gesprächs mit dem Fördergeber unter Druck und zuhause ärgert sich seine Ehefrau darüber, dass er die versprochenen Arbeiten im Haushalt nicht erledigt hat.

Das Ende – ein völlig überforderter Mann mit hängenden Schultern und am Rande des Burnouts – ist allerdings nur der Anfang: „Tobias“ ist Schauspieler und Mitglied des Forumtheaters. An den TagungsteilnehmerInnen liegt es nun, den Mann aus seiner aussichtlosen Lage zu befreien: Wer eine Idee hat, stellt sich an seinen Platz, schreibt durch das eigene Spielen die Szene um. Unter viel Gelächter werden Handlungsmöglichkeiten sichtbar, die Tobias vor der aussichtslosen Situation bewahren: Dem Chef die beruflichen Schwierigkeiten offen kommunizieren. Sich Unterstützung von außen holen, ob in Form von Supervision, therapeutischer Begleitung und/oder einer Haushaltshilfe. Der Ehefrau das Herz ausschütten und sie um Rat fragen.

AkteurInnen des eigenen Lebens

Handlungsspielräume zu erkennen und sie auszunutzen: Das ist auch der Kern des Schlussappells, den Tagungsmoderator Thomas Kemperling von der Sozialen Arbeit gmbH Salzburg am Ende der gelungenen Veranstaltung an die TeilnehmerInnen der 1. Fachschlüsselkräfte-Tagung richtet: „Wenn wir in Zukunft in das Spannungsfeld zwischen Auftrag, Ressourcen und Bedürfnissen geraten: Hören wir bitte auf unser Bauchgefühl und bleiben wir bitte bei der Wahrheit. Nur so können wir Akteurinnen und Akteure und somit aktive Gestalterinnen und Gestalter unseres Lebens bleiben.“

Zum Download: Tagungsbericht2015